Über eineinhalb Jahre hinweg tauchten immer wieder neue Postings auf – alle vermutlich mit demselben Ziel: Frederika F. (33) öffentlich bloßzustellen. Szene-DJ Dennis B. (46) veröffentlichte intime Fotos, private Nachrichten und erhob schwere Vorwürfe wie Vergewaltigung, Betrug und Drogenkonsum. Mehr als 120 Beiträge kamen so zusammen.
Am Freitag (27. März) wurde diese Serie am Wiener Landesgericht aufgearbeitet. Für das Gericht ergab sich daraus ein klares Gesamtbild: keine einzelnen Ausrutscher, sondern wiederholte Angriffe über Monate hinweg, öffentlich sichtbar auf Instagram und Facebook, begleitet von wüsten Beschimpfungen.
Der Streit lief öffentlich auf Social Media – mit gegenseitigen Angriffen und Vorwürfen. Frederika F. wurde in Österreich bekannt, nachdem sie erfolgreich gegen ungefragte Dickpics klagte. Später meldete sie sich auch in der "Techno MeToo"-Debatte zu Wort. In diesem Umfeld eskalierte der Konflikt – bis Dennis B. schließlich vor Gericht landete.
Im Saal zeigte sich der DJ, der früher in einigen Szene-Clubs auflegte, zwar entschuldigend, relativierte sein Verhalten aber immer wieder. Er habe sich "hinreißen lassen", erklärte er – gleichzeitig sprach er davon, selbst verfolgt worden zu sein. Auf Fragen reagierte er teils ausweichend, wirkte phasenweise distanziert. Der Richter griff seine eigene Erklärung auf: "Da haben Sie sich aber oft hinreißen lassen."
Schon vor dem Prozess machte der Anwalt von Frederika F. Philipp Springer die Dimension gegenüber "Heute" deutlich. "Der Angeklagte hat über 120 Hasskommentare gegen meine Mandantin laut Vorwurf der Staatsanwaltschaft abgesetzt, im Zeitraum von eineinhalb Jahren", sagte er.
Und weiter: "So eine Hasskampagne hat natürlich als digitale Gewalt massive psychische Folgen für die betroffenen Personen." Gleichzeitig betonte Springer, dass der Fall rechtlich ein Einzelfall sei, aber dennoch Wirkung zeigen könne: "Man sieht schon, dass hier eine gewisse Aufmerksamkeit auf dieses Thema gelenkt wird. Ich glaube, dass das durchaus auch etwas zum Positiven bewirken kann."
Neben Frederika B. wurden auch andere Personen durch einzelne Inhalte betroffen. So warf der Szene-DJ der früheren Grünen-Politikerin Viktoria Spielmann öffentlich vor, jemanden auf der Straße attackiert zu haben. Sie stellte dazu klar: "Fürs Protokoll: Ich habe niemanden angegriffen."
Die Betroffene schilderte vor Gericht die Folgen der Postings. "Natürlich haben die Beschimpfungen mich verletzt", sagte sie. Sie sei aus der Szene gedrängt worden und heute in psychiatrischer Behandlung. Am Ende verurteilte das Gericht Denis B. zu sechs Monaten Haft, bedingt auf drei Jahre, sowie zu einer Geldzahlung. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.