Ein Zuhause sollte ein Ort der Geborgenheit sein. Ein Platz, an dem Kinder sich sicher fühlen, an dem Vertrauen wachsen kann, doch für viele Familien ist genau das nicht Realität: Hinter verschlossenen Türen spielen sich Konflikte ab, die von außen oft unsichtbar bleiben.
Was Kinder in solchen Situationen erleben, wird häufig unterschätzt: "Kinder in solchen Situationen leben oft in einem dauerhaften Alarmzustand. Sie spüren extreme Spannungen und emotionale Unsicherheit", erklären Sabrina Frenzel-Kröpfl und Katharina Lustig von Holistic Family Solution "Heute".
Die Folgen sind vielfältig: Angstzustände, Schlafprobleme oder Rückzug. Manche Kinder reagieren auch mit auffälligem Verhalten oder körperlichen Beschwerden. Doch nicht immer ist die Belastung sofort sichtbar: Viele Kinder funktionieren nach außen, passen sich an und tragen den Druck innerlich mit sich.
Besonders belastend wird es, wenn emotionale Sicherheit fehlt: Wenn Zuwendung an Bedingungen geknüpft ist oder Gefühle abgewertet werden. Wenn Kinder Verantwortung übernehmen müssen, die eigentlich Erwachsene tragen sollten. "Kinder können sich dieser Situation nicht einfach entziehen. Sie versuchen, sich anzupassen und emotional zu überleben", so die Expertinnen im "Heute"-Interview.
In solchen Fällen sprechen Frenzel-Kröpfl und Lustig von "High Conflict Co-Parenting": Gemeint ist eine Situation, in der Eltern dauerhaft eskalieren und nicht mehr lösungsorientiert geführt werden.
Typisch sind abwertende Kommunikation, Manipulation oder das gezielte Ausnutzen von Behörden und Gerichten als Druckmittel. Der Konflikt selbst rückt in den Mittelpunkt – und die Bedürfnisse der Kinder treten in den Hintergrund. Für Außenstehende ist diese Dynamik oft schwer nachvollziehbar. Im Alltag der Betroffenen bestimmt sie jedoch jede Entscheidung, jedes Gespräch und jede Begegnung.
Besonders häufig begegnen den Expertinnen Formen von Gewalt, die nicht sofort erkennbar sind: psychische und emotionale Gewalt.
Dazu zählen etwa "Gaslighting" – also das gezielte Verdrehen der Realität –, ständige Abwertung, Drohungen oder Kontrolle über finanzielle und organisatorische Bereiche. Auch Drohungen über das Kind oder das bewusste Eskalieren von Konflikten über Behörden gehören dazu.
Das Problem: Diese Formen der Gewalt sind schwer nachweisbar. Für Betroffene und Kinder sind sie jedoch enorm belastend – und können langfristige gesundheitliche Folgen haben.
Genau hier setzt Holistic Family Solution an: Die Initiative begleitet Mütter und Familien in komplexen Trennungssituationen mit einem ganzheitlichen Ansatz. "Unser Ziel ist es, Betroffenen alltagstaugliche, klare und deeskalierende Hilfestellungen zu geben", so Frenzel-Kröpfl und Lustig. Dazu gehören Struktur im oft chaotischen Alltag, rechtssichere Dokumentation von Vorfällen und gezielte Kommunikationsstrategien.
Ein wichtiger Fokus liegt auch auf der emotionalen Stabilisierung: Denn nur wer selbst gefestigt ist, kann klar handeln und für das eigene Kind da sein. Auch die Vorbereitung auf Gespräche mit Behörden oder vor Gericht spielt eine zentrale Rolle.
Wichtig ist den beiden: Unterstützung richtet sich nicht nur an Mütter. Auch Väter können betroffen sein und Hilfe suchen. "Grundsätzlich gilt für uns: Das Kind steht im Zentrum – unabhängig vom Geschlecht der Eltern."
Denn letztlich geht es immer darum, Kinder bestmöglich durch schwierige Situationen zu begleiten und ihnen Stabilität zu geben.
Für Menschen, die sich in einer solchen Situation wiederfinden, gibt es erste wichtige Schritte: Dazu gehört vor allem, sich Unterstützung zu holen – idealerweise bei spezialisierten Stellen. Ebenso wichtig ist es, frühzeitig Vorfälle zu dokumentieren und die eigene emotionale Stabilität zu stärken. Impulsive Reaktionen sollten möglichst vermieden werden, da sie Konflikte weiter anheizen können.
Der wohl wichtigste Rat der Expertinnen lautet jedoch: "Allein durchhalten ist keine Lösung." Wer sich früh Hilfe holt und strategisch vorgeht, hat bessere Chancen, die Situation zu verändern – für sich selbst und vor allem für die Kinder.