Seit 2022 steht Barbara Staudinger an der Spitze des Jüdisches Museum Wien. Doch seit den Eskalationen im Nahen Osten hat sich die Situation für die Institution deutlich verändert: Die Besucherzahlen sinken, gleichzeitig häufen sich Hasspostings und Drohungen im Netz.
Wie Staudinger in einem Interview mit ORF Wien erklärte, sei der Besucherrückgang nicht auf Veränderungen im Museum selbst zurückzuführen. Vielmehr sieht sie einen direkten Zusammenhang mit dem 7. Oktober 2023 – dem Beginn des Gaza-Kriegs.
"Wir mussten an diesem Abend die Lange Nacht der Museen offen halten und es sind ganz viele Leute gekommen, die gesagt haben – wir kommen aus Solidarität. Und diese Solidarität ist zwei Tage später weg gewesen, unsere Besucherzahlen sind abgestürzt und haben sich bis jetzt nicht wirklich erholt."
Zwar habe es danach eine leichte Erholung gegeben, doch die erneute Eskalation im Nahen Osten habe diesen Trend wieder gebremst. Laut Staudinger habe der Konflikt auch Auswirkungen auf die öffentliche Wahrnehmung: "der wiederum zu Antisemitismus und zu einem Gefühl führt, dass alles, was jüdisch ist, was früher interessant war und neugierig gemacht hat, jetzt so negativ konnotiert wird."
Die Spannungen rund um die Kriege im Nahen Osten machen sich laut der Museumsdirektorin auf mehreren Ebenen bemerkbar. Einerseits bei Menschen, die dem Museum fernbleiben, andererseits auch bei jenen, die sich online oder per E-Mail äußern.
Besonders belastend seien die zahlreichen Anfeindungen im Internet. "Wir bekommen regelmäßig Shitstorms auf Facebook, auf Instagram, auf allen Social Media-Plattformen, auf denen wir sind. Wir haben Hass-E-Mails, Hassbriefe bekommen. All das ist natürlich auch belastend für mich und meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter."
Trotz der angespannten Lage will das Museum weiterhin eine Plattform für differenzierte Diskussionen sein. Staudinger betont, dass man bewusst Expertinnen und Experten eingeladen habe, um verschiedene Perspektiven auf den Gaza-Krieg zu beleuchten.
Für Staudinger steht fest: Das Museum soll ein Ort des Dialogs bleiben – ein "jüngeres" und "offeneres" Haus, das aktiv auf Menschen zugeht. Ziel sei es, dass das Museum nicht nur ein Ort ist, den man besucht, sondern auch einer, der selbst auf die Gesellschaft zugeht.