Wie die russische Staatsagentur RIA meldet, endeten die Verhandlungen am Dienstag. Tass zitierte den russischen Chefunterhändler Wladimir Medinski mit den Worten, man wolle bald weiterverhandeln. Aus russischen Kreisen hieß es, die sechsstündigen Gespräche seien "sehr angespannt" verlaufen.
Selenskyj schrieb auf der Plattform X, Russland versuche bewusst, die Gespräche in die Länge zu ziehen. "Russland versucht, die Gespräche zu verzögern, die bereits in der Endphase sein könnten", so der ukrainische Präsident.
Verhandelt wurde in getrennten Gruppen zu politischen und militärischen Fragen, erklärte der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow. Die russische Delegation führte Ex-Kulturminister Medinski an, mittlerweile Berater von Kremlchef Wladimir Putin. Die USA traten mit Sondergesandtem Steve Witkoff als Vermittler auf.
US-Präsident Donald Trump hatte Kiew zuletzt öffentlich gedrängt, rasch Schritte für einen Verhandlungserfolg zu setzen. "Die Ukraine sollte besser schnell an den Tisch kommen", mahnte Trump am Montag vor Journalisten.
Witkoff sprach indes von "bedeutenden Fortschritten". Beide Seiten hätten vereinbart, ihre Regierungen zu informieren und weiter an einer Einigung zu arbeiten.
Selenskyj wiederum warf Washington vor, teils unverhältnismäßigen Druck auf die Ukraine auszuüben. Gleichzeitig betonte er im Interview mit dem US-Portal "Axios", dass seine direkten Gespräche mit Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner nicht von derselben Art öffentlichen Drucks geprägt gewesen seien wie Trumps Aussagen.
Für Aufsehen sorgt eine weitere Aussage Selenskyjs: Er könne sich vorstellen, die Bevölkerung über ein mögliches Einfrieren des Konflikts entlang der aktuellen Frontlinie abstimmen zu lassen. Ein solches Referendum könnte parallel zu Präsidentschaftswahlen stattfinden.
Eine von Russland geforderte komplette Räumung der noch von der Ukraine gehaltenen Teile der Gebiete Luhansk und Donezk lehnte Selenskyj jedoch klar ab. "Emotional werden die Menschen das niemals verzeihen. Niemals", sagte er "Axios". Zusätzliche Gebietsverluste seien für viele Ukrainer nicht akzeptabel.
Nach Angaben Selenskyjs sei mit den USA vereinbart worden, dass ein mögliches Friedensabkommen die Zustimmung der ukrainischen Bevölkerung per Referendum brauche.
Die heiklen Gebietsfragen will Selenskyj bevorzugt bei einem direkten Treffen mit Wladimir Putin klären. Er habe seine Delegation angewiesen, einen solchen Gipfel in Genf anzusprechen. Der Kreml lehnt ein Treffen nicht grundsätzlich ab, verweist aber auf notwendige Vorbereitungen – konkrete Schritte gibt es bislang nicht.
Ein direktes Treffen zwischen Selenskyj und Putin gab es zuletzt 2019 in Paris bei deutsch-französisch vermittelten Gesprächen. Schon damals waren die Beziehungen durch die Annexion der Krim 2014 und den Konflikt in der Ostukraine schwer belastet.
Ob die Gespräche in Genf bald fortgesetzt werden – oder endgültig scheitern –, ist derzeit offen.