Hälfte der Betten gesperrt

"Ertragen Belastung nicht mehr" – Pflege am Anschlag

Manuela (40) arbeitet seit zehn Jahren als Pflegerin in Linz und erlebt den Personalmangel täglich. Sie erzählt, warum viele nicht mehr können.
Lea Strauch
23.01.2026, 04:00
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Am Donnerstag wurde der Unmut in den OÖ-Ordensspitälern laut – das nicht ärztliche Personal machte mit einem Streik Druck. Seit Monaten laufen die KV-Verhandlungen ohne Ergebnis, viele Beschäftigte sehen sich am Limit. Auch Manuela (40) demonstrierte mit ihren Kolleginnen und Kollegen in Linz.

"Ertragen Belastung nicht mehr"

Sie arbeitet seit mittlerweile zehn Jahren als Pflegerin auf der Chirugie-Station des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern. Sie sagt gegenüber "Heute" ganz klar: "Ich mache meinen Job sehr gerne." Gleichzeitig werde die Belastung immer größer. "Der Workload wird immer mehr und wir werden immer weniger Personal."

Der Fachkräftemangel mache sich seit Jahren schmerzhaft bemerkbar: "Von diplomierten Pflegekräften bekommen wir aktuell keine Bewerbungen", erzählt Manuela. Das Problem gebe es nicht erst seit gestern – Corona habe die Situation aber zusätzlich verschärft: "Vollzeitkräfte haben unsere Station verlassen, weil sie gesagt haben, sie ertragen diese Belastung nicht mehr."

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Personalmangel: Hälfte der Betten gesperrt

Kompensiert werde der Mangel mit Pflegekräften aus dem Ausland: Sie betont dabei ausdrücklich: "Ich schätze unsere ausländischen Pflegekräfte, die bemühen sich voll", stellt aber klar: "Aber das kann nicht die Lösung der Zukunft sein." Der Pflegemangel sei jetzt schon "eklatant", und steige nur weiter an. Weder Arbeitsbedingungen noch Entlohnung reiche, um neue Mitarbeiter in den Beruf zu bringen.

Die Folgen seien im Haus längst sichtbar: 20 Betten seien zur Zeit gesperrt, "wir sind eigentlich eine 40-Betten-Station". Das beträfe alle chirurgischen Stationen. Genau dort sei das wegen der Art der Eingriffe besonders heikel: "Wir haben schwerkranke Leute, die haben wirklich einen großen Pflegebedarf."

Gemeinsam mit ihren Kollegen aus den Linzer Ordensspitälern ging Manuela (40) am Donnerstag auf die Straße.
"Heute"/Lea Strauch

Da spiele dann auch die Psyche eine große Rolle: "Das ist natürlich eine extreme Belastung für die Patienten." Was dabei am meisten wehtue: Dass man sich für die Menschen oft keine Zeit mehr nehmen kann. "Das ist gerade für mich persönlich eigentlich das Schlimmste. Man kann sich nicht so um die Patienten kümmern, wie man es gerne würde."

Manuela ist überzeugt, dass es eine Veränderung braucht, um wieder mehr Menschen in die Pflege zu holen: "Ich bin davon überzeugt, dass wir mit einer Reduktion der Arbeitszeit einen Anreiz schaffen können, dass wieder mehr Pflegekräfte in unser Haus wollen." Und: "Dass wieder frische, junge, motivierte Leute nachkommen."

Was sie Arbeitgebern am Verhandlungstisch sagen würde? Manuela nimmt Bezug auf die Corona-Jahre: "Da haben sie Mails ausgeschickt, wo sie ihre Wertschätzung ausdrücken, das sind alles schöne Worte. Aber auch diese Worte sollten eigentlich auch Taten folgen." Aktuell habe sie eher das Gefühl, dass "tatenlos zugeschaut" wird und das "gesamte nicht ärztliche Personal ein bisschen im Stich gelassen wird."

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