Seit Jahren breitet sich die Asiatische Tigermücke in Österreich aus – begünstigt durch milde Winter. Doch heuer dürfte die extreme Kälte ihren Vormarsch deutlich bremsen. "Die Wintersterblichkeit bei dieser Art ist heuer deutlich mehr, als in den letzten Jahren", erklärt Martin Schwarz vom Biodiversitätszentrum Linz im Gespräch mit "Heute".
Die invasive Gelsenart, die auch gefährliche Krankheiten übertragen kann, stammt ursprünglich aus Südostasien und ist an milde Temperaturen angepasst. "Die asiatische Tigermücke ist sehr wärmeliebend und ist empfindlich gegen tiefe Temperaturen", so Schwarz.
Normalerweise legt die Tigermücke ihre Eier in kleinen Wasserbehältern ab – etwa in Blumentopfuntersetzern oder Vogeltränken. Ein harter Winter bringt sie dabei schnell an ihre Grenzen. "Der Winter ist einfach eine kritische Situation, wo normalerweise relativ viele umkommen. Das ist ganz normal", erklärt der Experte. Und weiter: "Je nachdem, wie der Winter verläuft, überleben mehr oder weniger Insekten."
Zwar seien die einheimischen Gelsen gut an heimische Winter angepasst, doch bei der Tigermücke sieht das anders aus. Ihre Eier überwintern meist im Larvenstadium an versteckten Stellen. "Das kann auch irgendein Blumengeschirr sein draußen oder irgendeine kleine Senke, wo Wasser steht", sagt Schwarz. Wenn es dann friert, sterben viele davon – je nach Temperatur und Dauer. "Wenn sie so tief sind, wie es jetzt ist, in den meisten Teilen, da ist damit zu rechnen, dass es immer sehr große Verluste gibt."
Ob der kalte Winter automatisch zu einem gelsenärmeren Sommer führt, lässt sich laut Schwarz nicht pauschal sagen. Denn auch die Bedingungen in den Monaten danach spielen eine große Rolle. "Wenn die Witterung im Frühling, Sommer sehr gut ist – das heißt warm, feucht – dann können sie relativ schnell entwickeln und mehr Generationen hervorbringen und dann können sie Winterverluste mehr als wettmachen." Bei der Tigermücke sei das jedoch schwieriger. "Ich gehe mal davon aus, dass sich das nicht so schnell wieder erholt", so Schwarz.
Was viele nicht wissen: Auch die Hausgelsen können Krankheiten übertragen. Zwar ist die Tigermücke dafür besonders bekannt – etwa für Tropenkrankheiten wie Dengue oder Zika – doch auch heimische Arten wie "Culex pipiens" gelten als mögliche Überträger. Hausgelsen können zum Beispiel das Westnil-Virus übertragen.
Und wie funktioniert die Krankheitsübertragung genau? "Wenn eine Tigermücke am Menschen sticht, Blut saugt, und der hat zum Beispiel Denguefieber, dann nimmt sie die Krankheitserreger mit auf, fliegt zum nächsten Menschen, saugt dort wieder und dann werden diese Krankheitserreger ins Blut eingeführt."
Solange nur wenige Tigermücken unterwegs sind, ist die Ansteckungsgefahr laut Schwarz jedoch gering: "Gibt es nur wenige Tigermücken, dann ist die Wahrscheinlichkeit von Übertragung eben sehr gering."