Am Rande der Gruppenauslosung für die Fußball-WM 2026 verleiht die Fifa am Freitag in Washington erstmals einen neu geschaffenen Friedenspreis. Als Favorit gilt US-Präsident Donald Trump, der sich international mehrfach selbst für den Friedensnobelpreis ins Spiel gebracht hatte. Fifa-Boss Gianni Infantino hob zuletzt Trumps Einsatz für eine Waffenruhe im Gazastreifen hervor.
Die WM 2026 wird vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen. Die Auslosung der Vorrundengruppen findet im Rahmen einer Gala statt, moderiert unter anderem von Heidi Klum. Für Unterhaltung sorgen Stars wie Robbie Williams und die Village People. Vor dem Event treffen Trump, die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum und Kanadas Premier Mark Carney zu Gesprächen über Handelsfragen zusammen.
Für Trump könnte das Turnier weit mehr sein als ein sportliches Großereignis. Der US-Sportsoziologe Kyle W. Kusz von der University of Rhode Island erklärte im Gespräch mit dem "Münchner Merkur/TZ", die WM 2026 biete dem Präsidenten eine ideale Bühne, um seine politische Agenda im In- und Ausland zu stärken. Trumps Umgang mit Sport und Fußball ordnet er einer rechtspopulistischen Kulturkampf-Strategie zu, bei der Sport als wirkungsvolles Instrument zur politischen Markenbildung diene.
Schon in seiner zweiten Amtszeit nutzt Trump große Sportevents regelmäßig als Auftrittsfläche – etwa bei der Klub-WM oder beim Tennisfinale der Männer bei den US Open. Dass ihm dabei auch Ablehnung entgegenschlägt, zeige eine Diskrepanz zwischen seiner Selbstdarstellung und der Reaktion vieler Fans, so Kusz.
Trotzdem bleibe Sport für Trump ein wichtiges Werkzeug, um ein Image des starken Anführers zu vermitteln, der das Land gegen als bedrohlich empfundene progressive Strömungen verteidigen soll. Widerstand aus dem Profisport gegen diese Vereinnahmung sei kaum sichtbar, sagt der Forscher. Es gebe derzeit kaum prominente US-Athleten, die Trump entweder konsequent unterstützen oder offen kritisieren.