Jihad-Drogen um 40 Mio. Euro: Österreicher vor Gericht

Pillen, Pillen, Pillen: 14 Personen will die Staatsanwaltschaft in Salzburg wegen Drogenschmuggels vor Gericht bringen. 
Pillen, Pillen, Pillen: 14 Personen will die Staatsanwaltschaft in Salzburg wegen Drogenschmuggels vor Gericht bringen. napolipress / PA / picturedesk.com
Die Staatsanwaltschaft Salzburg klagt 14 Personen an. Sie sollen im großen Stil Captagon nach Österreich geschmuggelt haben. Wert: 40 Millionen Euro.

Hohe Wellen schlägt eine Anklage der Staatsanwaltschaft Salzburg: Die Ermittler haben 14 Personen wegen mutmaßlichen Drogenschmuggels mit 13,8 Millionen Captagon-Tabletten im Visier. Das Rauschgift gilt in Polizeikreisen als Jihadisten-Droge. Die Ankläger gehen dabei von einem Wert der Pillen in Höhe von 40 Millionen Euro aus. Die Bande soll Teil eines internationalen Drogenrings sein, der die Drogen von Juni 2016 bis März 2021 aus dem Libanon nach Österreich geschmuggelt hat. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte der APA am Donnerstag die Anklage.

Als Chef der Drogenbande gilt ein 60-jähriger Libanese, der untergetaucht ist. Er wird laut "Kronen Zeitung" in der Anklage als einer der größten Drogen-Bosse im nahen Osten bezeichnet und stand laut dem "Krone"-Bericht in Kontakt zu einem Österreicher (53) mit libanesischen Wurzeln. Der 53-Jährige gilt für die Ankläger als hochrangiger Verbindungsmann des Drogenrings für den Handel in Österreich. Die Pizzeria seines Sohnes in der Salzburger Gemeinde Bürmoos soll dabei als zentrale Drehscheibe der Deals gedient haben. 

Libanon, Belgien, Salzburg: Der Weg der Jihadisten-Droge

Drei Jahre lang haben die Salzburger Kriminalisten in Zusammenarbeit mit Kollegen aus etlichen Ländern den Drogenring beobachtet, überwacht und abgehört. Am 22. März 2021 wurden dann 13 Verdächtige in Österreich und zwei weitere in Deutschland festgenommen. Einige Beschuldigte gaben Geständnisse ab, sodass die Ermittler zumindest drei große Drogenlieferungen nachweisen konnten. Dabei sollen 25 bis 30 Tonnen Captagon-Tabletten ausgeliefert worden sein.

Österreich spielte im Handel eigentlich nur eine Zwischenstation: Das Captagon wurde den Ermittlungen zufolge im Libanon hergestellt und war für Saudi-Arabien bestimmt. Der Umweg über Europa erfolgte nur deshalb, weil Importe aus der EU in Saudi-Arabien offenbar deutlich weniger kontrolliert werden als die Wareneinfuhr aus dem Vorderen Orient. Über eine Scheinfirma wurden die Drogen auf dem Seeweg nach Gent in Belgien geschifft.

Dorf-Pizzeria diente als Rauschgift-Bunker

Der Schmuggel vom Libanon nach Österreich erfolgte in Rollen mit Plastikfolien, in deren Hohlraum die Drogen versteckt wurden. Pro Rolle steckten bis zu 34.000 Stück Tabletten. Von Belgien wurden die Drogen mittels Speditionen nach Österreich gebracht und in Lager verteilt, wobei die Pizzeria im Flachgauer Ort Bürmoos Umschlagplatz gewesen sein soll.

Die Suchtmittel wurden in Industrie-Pizzaöfen, Waschmaschinen und anderen Elektrogeräten versteckt und so nach Saudi-Arabien verfrachtet. Das Lokal im Flachgau soll ein 28-jähriger Angeklagter betrieben haben. Ein 53-jähriger Angehöriger soll für die Lagerung, Umverpackung und Weitersendung der Drogen verantwortlich gewesen sein. Dabei sollen dem Erstangeklagten weitere Beschuldigte geholfen haben.

Bei den Angeklagten handelt es sich um elf Männer und drei Frauen im Alter zwischen 27 und 53. Sie stammen vorwiegend aus dem arabischen Raum beziehungsweise aus dem Libanon. Viele davon sind miteinander verwandt und wohnten vor ihrer Festnahme in der Stadt Salzburg, im Flachgau oder Pinzgau. Was die Staatsbürgerschaft betrifft, handelt es sich um sechs Österreicher, drei Syrer, einen Libanesen, einen Belgier, einen Deutschen, einen Türken und einen Ungar. Die Mehrheit der Beschuldigten sitzt in Untersuchungshaft.

Das ist die Jihadisten-Droge Captagon
Captagon war in den 1960er-Jahren als Medikament entwickelt worden, um zur Behandlung von ADHS eingesetzt zu werden. Es enthält den Wirkstoff Fenetyllin, das als Suchtgift gilt. Die Wirkung ist ähnlich der von Amphetamin und wirkt direkt auf das zentrale Nerven- sowie das Herz-Kreislaufsystem, weil sie die Blut-Hirn-Schranke durchbricht. Diese Droge wird laut Polizei auch öfters in Zusammenhang mit terroristischen Anschlägen gebracht, da der Wirkstoff aufputschend wirkt und den Konsumenten furchtlos sowie unempfindlich gegen Schmerz oder Angst machen soll. Beim Islamischen Staat (IS) kommt die Drogen darum regelmäßig zum Einsatz. Auch die IS-Attentäter von Paris sollen die Droge vor den Anschlägen genommen haben. Die Nebenwirkungen können bis zum Tod reichen.

Der Zoll beschlagnahmte 2020 mehr als eine Tonne Drogen:

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