Julia S. (26) hat eine Herz- und Niereninsuffizienz: Sie wird schnell müde, die Muskeln sind schwach – schuld sind Chemo- und Medikamenten-Therapie in ihrer Kindheit: "Es ist von allem einfach weniger – aber ich lebe", meint die Niederösterreicherin im Gespräch mit "Heute". Bereits im Alter von elf Jahren erkrankte die 26-Jährige an Leukämie – und das nicht zum einzigen Mal.
"Ich war immer ein sehr sportliches Kind, aber dann habe ich im Turnsaal extrem nachgelassen. Beim Laufen bin ich nach 100 Metern nicht mehr mitgekommen", erinnert sich die Fachhochschul-Studentin, die in Grafenbach (Bezirk Neunkirchen) lebt.
Ein Zusammenbruch brachte sie ins Spital: "Ich hatte eine wirklich schlimme Schwindel-Attacke und habe die ganze Zeit erbrochen. Im Spital haben sie gemeint, dass es ein Magen-Darm-Virus ist und haben mich wieder heimgeschickt." Auch ein MRT brachte kein Ergebnis.
In Eigenregie wandte sich Julia S. schließlich ans AKH, eine Blutprobe brachte Gewissheit: Leukämie! "Ich wurde sofort ins St. Anna Kinderspital überwiesen. Dort habe ich dann ein Jahr lang eine intensive Chemotherapie erhalten, danach noch Medikamente. Sechseinhalb Wochen wurde ich stationär aufgenommen, später musste ich dann immer wieder für die Chemoblöcke hinein."
„Nachdem ich sozusagen 'geheilt' war, habe ich einfach versucht, mein Leben zu leben“Julia S.hatte im Alter von 11 Jahren Leukämie
Trotz der Therapie verlor die damals Elfjährige kein Schuljahr: "Das wollte ich auf keinen Fall. Während meines stationären Aufenthaltes wurde ich im Krankenhaus unterrichtet. Später dann habe ich Hausunterricht bekommen – meine Lehrer haben mich dabei sehr unterstützt."
Zum Glück schlug die Standard-Chemo bei Julia S. sehr gut an, eine Stammzellen-Spende war daher nicht nötig: "Nachdem ich sozusagen 'geheilt' war, habe ich einfach versucht, mein Leben zu leben", meint die 26-Jährige.
Doch im Juli 2022 folgte ein herber Rückschlag: "Der Krebs war zurück. Es war klar, dass ich diesmal eine Stammzellen-Spende brauche. Meine beste Freundin war dann voll dahinter und hat auch 'Geben für Leben' eingeschalten. So viele haben sich dann meinetwegen als Spender registrieren lassen."
Über die internationale Spenden-Datenbank konnte schließlich ein passender Spender ausfindig gemacht werden: "Mein Bruder wäre zwar infrage gekommen, aber er hat nur zu 50 % gepasst. Ein Spender aus Polen allerdings hatte eine 100%-ige Übereinstimmung. Im Oktober habe ich dann die Spende erhalten", erklärt die 26-Jährige.
◉ In Österreich erkranken durchschnittlich 3 Menschen pro Tag an Leukämie. Um passende Stammzellspender:innen finden zu können, müssen sie zuerst typisiert werden. Dazu reicht ein einfacher Wangenabstrich aus.
◉ Für eine Typisierung geeignet sind alle Menschen zwischen 16 und 45 Jahren, die an keinen schwerwiegenden oder chronischen Erkrankungen leiden und über 50 kg wiegen.
◉ Interessierte können ein Typisierungsset für einen Wangenabstrich daheim anfordern.
◉ Es gibt aber auch laufend Typisierungsaktionen in ganz Österreich, bei denen sich Spender registrieren lassen können. Info: gebenfuerleben.at
Erst nach fünf Jahren – also 2027 – darf Julia S. ihren Spender persönlich treffen: "Ich weiß nur, dass er aus Polen kommt und vor drei Jahren 26 Jahre alt war. Wenn ich kann, möchte ich ihn unbedingt kennenlernen."
„Alle Dinge, die mich nicht umbringen, sehe ich jetzt viel gelassener“Julia S.geht es dank einer Stammzellen-Spende wieder gut
Für die 26-Jährige, die derzeit ein Praktikum als Social-Media-Managerin absolviert, ist der Tag der Spende wie ein 2. Geburtstag: "Das war auch der Anstoß für mich, zu studieren. Alle Dinge, die mich nicht umbringen, sehe ich jetzt viel gelassener. Ich bin dankbar dafür, was ich habe."