Im Stiegenhaus eines Gemeindebaus in Wien-Mariahilf hat eine ungewöhnliche Vermisstenmeldung für Aufsehen gesorgt, berichtet die "Krone". Gesucht wurde weder eine Katze noch ein Hund, sondern eine Vogelspinne. Und noch dazu eine riesige. Der ausgebüxte Achtbeiner namens "Timo" war plötzlich verschwunden. Mit einem Aushang informierte sein Besitzer alle Bewohner des Hauses über den tierischen Ausreißer und versuchte gleichzeitig, ihnen die Angst zu nehmen.
Auf dem Zettel stand unübersehbar "Vogelspinne vermisst!". Gleich darunter folgte aber die wichtigste Information: "Keine Angst – 'Timo' ist NICHT giftig." Trotzdem dürfte die Nachricht bei vielen Nachbarn zunächst für einen Schreckmoment gesorgt haben. Schließlich begegnet man einer frei laufenden Vogelspinne im Stiegenhaus wohl nur in den seltensten Fällen.
Der Besitzer bat die Hausbewohner ausdrücklich darum, die Spinne weder anzufassen noch zu töten. Stattdessen sollten sie sich sofort bei ihm melden. "Ich hole ihn ab", schrieb er auf dem Aushang. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass "Timo" überraschend bis zu einem Meter weit springen könne. Auch diese Information sorgte wohl für zusätzlichen Gesprächsstoff im Haus.
Wie es überhaupt zu der ungewöhnlichen Flucht kommen konnte, schilderte der Spinnenhalter gegenüber der "Krone". Demnach lebt "Timo" gemeinsam mit zwei weiteren Vogelspinnen in einem Terrarium. Während der Besitzer das Zuhause der Tiere reinigen wollte, kam es zu einer unglücklichen Verkettung mehrerer Ereignisse.
Wegen der sommerlichen Temperaturen hatte er die Wohnung zum Lüften geöffnet. Da die Fenster nur auf einer Gebäudeseite liegen, blieb die Wohnungstür nach seinen Angaben rund 20 Minuten offen. Genau in diesem Moment lief auch noch der Hund der Familie ins Stiegenhaus. Während der Besitzer den Vierbeiner wieder einfangen musste, nutzte offenbar auch "Timo" seine Chance und machte sich unbemerkt auf den Weg.
"Mir ist es zunächst gar nicht aufgefallen. Erst beim Weiterputzen habe ich bemerkt, dass 'Timo' weg ist. Oft versteckt er sich ja hinter einem Stein", erzählte der Besitzer im Gespräch mit der "Krone". Als ihm klar wurde, dass die Vogelspinne tatsächlich verschwunden war, informierte er sofort die Nachbarn. "Ich wollte die Leute beruhigen. Ich glaube, die Plakatierung hat natürlich schon für Aufregung gesorgt."
Damit begann die Suche nach dem ungewöhnlichen Ausreißer. Niemand wusste, ob sich die Spinne hinter einer Wohnungstür, unter einer Stiege oder in einem anderen Versteck befand. Für viele Bewohner dürfte allein der Gedanke an eine frei laufende Vogelspinne ungewohnt gewesen sein.
Lange blieb die Suche allerdings nicht erfolglos. In der Nacht auf Dienstag entdeckte ein aufmerksamer Nachbar den Achtbeiner im Haus. Er verständigte sofort den Besitzer, der "Timo" wieder sicher einsammelte und zurück in sein Terrarium brachte.
Damit nahm die ungewöhnliche Geschichte ein gutes Ende. Die Vogelspinne ist wieder wohlbehalten zu Hause und auch die Bewohner des Gemeindebaus können aufatmen. Was mit einem kuriosen Aushang und einer Portion Nervosität begann, endete schließlich ohne Verletzte und mit einem glücklichen Wiedersehen zwischen Halter und seinem tierischen Ausreißer.