"Außergewöhnlichste Situation"

Kapitän von leerem Kreuzer schildert Lage in Nahost

Nach Angriffen auf den Iran ist die wichtige Schifffahrtsroute bei Hormus fast dicht - hunderte Schiffe warten im Golf.
Newsdesk Heute
25.03.2026, 13:45
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Die Lage im Persischen Golf spitzt sich dramatisch zu. Seit den Militärangriffen Israels und der USA auf den Iran Ende Februar ist die Straße von Hormus de facto blockiert. Die Folgen sind massiv: Statt rund 100 Schiffen täglich wagen aktuell nur noch etwa sechs die Passage durch die Meerenge.

Tausende Schiffe sitzen fest oder warten auf sichere Durchfahrt. Allein mehr als 3.200 wurden zuletzt "Bild"-Recherchen zufolge im betroffenen Seegebiet gezählt, darunter rund 650 Öl- und Gastanker. Auch deutsche Reedereien sind stark betroffen: Mindestens 51 Schiffe von rund zehn Unternehmen stecken in der Region fest – mit etwa 1.000 Seeleuten an Bord.

Auch zivile Schiffe werden angegriffen

Die Gefahr ist real. Laut Reederverband wurden bereits 27 Handelsschiffe angegriffen. Es gab Verletzte und Tote. Häfen gelten als unsicher, immer wieder wird Infrastruktur beschossen. Viele Kapitäne lassen ihre Schiffe daher vor Anker liegen.

Aufgrund der herrschenden Gefahren setzen einige Kapitäne auf Tricks. Zahlreiche Schiffe schalten ihre Ortungssysteme ab oder senden falsche Positionen, um nicht ins Visier zu geraten. Damit verschwinden sie teils komplett von den Radarbildschirmen.

Kapitän von Kreuzer: "Außergewöhnlichste Situation, die ich je erlebt habe"

Besonders betroffen ist die deutsche Handelsflotte: Vom Massengutfrachter über Containerschiffe bis hin zu Kreuzfahrtschiffen ist alles dabei. Auch TUI Cruises musste reagieren. Die "Mein Schiff 4" lag mit rund 2.500 Gästen in Abu Dhabi fest - Passagiere und Teile der Crew wurden inzwischen ausgeflogen.

Der Betrieb an Bord läuft trotzdem weiter. Systeme müssen rund um die Uhr laufen, auch wenn das Schiff keine Passagiere an Bord hat. Viele Tätigkeiten werden allerdings unter Deck verrichtet. Kapitän Jan Fortun schildert die vergangenen Wochen als "die außergewöhnlichste Situation, die ich je erlebt habe".

Krise kostet Millionen

Auch wirtschaftlich wird die Krise zur Belastungsprobe. Steigende Ölpreise treiben die Treibstoffkosten nach oben. Ein Containerschiff verbraucht täglich rund 200 Tonnen Treibstoff. Schon kleine Preissprünge kosten Millionen.

Dazu kommen explodierende Versicherungsprämien: Für Fahrten durch Hochrisikogebiete verlangen Versicherer teils bis zu zehn Prozent des Schiffswerts.

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