Mikl-Leitner im Talk

"Kein Cent mehr für die, die nicht arbeiten wollen"

Niederösterreichs Landeschefin Johanna Mikl-Leitner spricht im "Heute"-Interview Klartext: "Sozialhilfe nur für die Schwächsten, nicht die Frechsten!"
Clemens Oistric
25.06.2026, 04:50
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Stärker, moderner und lebenswerter sei Niederösterreich heute als noch beim Start von "Heute" im Jahr 2006: Im großen Jubiläums-Interview spricht Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner über Meilensteine im Land – und wie der Wohlstand erhalten werden kann. Die mächtige VP-Politikerin will 2028 noch einmal bei der Wahl antreten.

Das "Heute"-Interview

"Heute": Frau Landeshauptfrau, die ÖVP lenkt in der Zweiten Republik durchgehend die Geschicke Niederösterreichs. Wurde das Leben der Menschen in den letzten zwei Jahrzehnten besser?

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Johanna Mikl-Leitner: Wer heute in Niederösterreich aufwächst, hat mehr Bildungsangebote vor der Haustür als vor 20 Jahren, wenn ich nur an unsere erstklassigen Fachhochschulen denke. Familien finden deutlich bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten vor. Unsere Landsleute haben die höchste Kaufkraft im Bundesländer-Vergleich, weil sie mehr anpacken als andere. Unsere Unternehmen sind erfolgreicher und innovativer denn je. In wenigen Wochen startet sogar der erste kommerzielle Satellit Österreichs ins All – mit wesentlicher Beteiligung niederösterreichischer Betriebe. Natürlich gibt es Herausforderungen, aber Niederösterreich ist heute stärker, moderner und lebenswerter als vor zwei Jahrzehnten. Und das verdanken wir nicht politischen Debatten, sondern den Menschen, die jeden Tag arbeiten, Verantwortung übernehmen, Betriebe führen, Familien gründen und sich für ihre Gemeinden engagieren. Sie haben Niederösterreich zu dem gemacht, was es heute ist: eine der lebenswertesten Regionen Europas.

"Heute": Angesichts der unsicheren Weltlage drängt sich die Frage auf: Werden es unsere Kinder einmal besser haben als wir selbst?

Mikl-Leitner: Ja, davon bin ich fest überzeugt. Aber das passiert nicht von selbst. Die Krisen dieser Welt können wir nicht beeinflussen. Aber wir können dafür sorgen, dass unsere Kinder die besten Chancen bekommen. Dass sie eine gute Ausbildung erhalten, einen sicheren und gut bezahlten Arbeitsplatz bei uns finden und in einem Land aufwachsen, in dem Zusammenhalt, Leistung und Verantwortung zählen. Daran arbeiten wir jeden Tag.

„Sozialhilfe darf es nur für die Schwächsten und nicht für die Frechsten geben.“
Johanna Mikl-LeitnerLandeshauptfrau NÖ (ÖVP)

"Heute": Viele Menschen haben das Gefühl, dass sich harte Arbeit, Fleiß und Leistung heute nicht mehr lohnen. Ist das eine Entwicklung, die Ihnen Sorgen macht?

Mikl-Leitner: Eine Gesellschaft lebt davon, dass sich Leistung auszahlt. Wer früh aufsteht, fleißig arbeitet, Verantwortung übernimmt und seinen Beitrag leistet, darf nicht der Dumme sein. Für jeden, der mit offenen Augen durch dieses Land geht, ist klar: Ohne Menschen, die täglich arbeiten, Betriebe führen und Wohlstand schaffen, wird es weder einen starken Sozialstaat noch eine gute Zukunft geben. Und das heißt im Umkehrschluss auch: Sozialhilfe darf es nur für die Schwächsten und nicht für die Frechsten geben. Eine strenge und faire Sozialhilfe erhöht die Arbeitsanreize und die brauchen wir in allen neun Bundesländern nach dem Vorbild Niederösterreich.

"Heute": Immer mehr Eltern sorgen sich um die Auswirkungen von Smartphones und sozialen Medien auf ihre Kinder. Brauchen wir im Umgang mit TikTok, Instagram und Co. strengere Regeln und Gesetze?

Mikl-Leitner: Ich glaube, wir haben die Auswirkungen von TikTok und Co auf unsere Kinder lange Zeit unterschätzt. Soziale Medien bieten Chancen, aber sie können auch hohen Druck erzeugen, Abhängigkeiten fördern und Kinder in eine radikale Welt entführen, die mit dem, wie wir uns für sie ein Leben wünschen, nur mehr wenig zu tun hat. Für mich steht fest: Der Schutz unserer Kinder muss immer wichtiger sein als die Geschäftsinteressen internationaler Web-Plattformen und Konzerne. Und daher brauchen wir klare Regeln, die auch in der Praxis funktionieren, um unsere Kinder vor den Gefahren im Web zu schützen.

„Wir orientieren uns nicht an ideologischen Debatten, sondern an den Bedürfnissen der Menschen.“
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner im Gespräch mit Chefredakteur Clemens Oistric
Helmut Graf

"Heute": Sie sprechen oft vom niederösterreichischen Weg. Was unterscheidet Niederösterreich von den anderen Bundesländern?

Mikl-Leitner: Wir orientieren uns nicht an ideologischen Debatten, sondern an den Bedürfnissen der Menschen. Wir fragen uns nicht, was gerade modern ist, sondern was für unsere Landsleute gut und richtig ist. Wer sich immer wie ein Fähnchen im Wind verhält, wird bei einem starken Sturm schnell verblasen. Niederösterreich verbindet wirtschaftliche Stärke mit Zusammenhalt, Familiensinn und Hausverstand. Genau das macht unser Land aus.

"Heute": War die Zusammenarbeit mit der FPÖ eine Liebesheirat oder politische Zwangsehe?

Mikl-Leitner: Weder noch. Die Zusammenarbeit in der Landesregierung läuft professionell. Wir tragen Diskussionen nicht über die Medien aus, sondern verhandeln so lange, bis eine Lösung im Sinne der Landsleute gelungen ist. Entscheidend ist nicht, was parteipolitisch bequem ist, sondern was für Niederösterreich richtig ist. Die Menschen erwarten sich zu Recht, dass gearbeitet, verhandelt und entschieden wird. Genau das tun wir in Niederösterreich.

„Parallelgesellschaften dürfen wir nicht zulassen.“

"Heute": Sie forderten von Zuwanderern in den letzten Jahren vehement Integration ein und sprechen häufig von "falsch verstandener Toleranz". Was meinen Sie damit konkret?

Mikl-Leitner: Wir dürfen unsere christlichen Bräuche und Traditionen nicht verstecken, nur weil wir glauben, damit Rücksicht auf Menschen aus anderen Kulturkreisen zu nehmen. Integration gelingt nicht dadurch, dass wir unsere eigenen Wurzeln verleugnen. Integration gelingt dadurch, dass wir klar vermitteln, wofür wir und dieses Land stehen. Unsere Bräuche – vom Martinsfest, über Advent und Ostern, bis hin zu Muttertag und Vatertag – vermitteln Werte, die für unser Zusammenleben wichtig sind: Respekt, Zusammenhalt, Rücksicht und Verantwortung. Wer hier lebt, muss unsere Sprache lernen, unsere Regeln respektieren und unsere Werte achten. Parallelgesellschaften dürfen wir nicht zulassen.

"Heute": Als Landeshauptfrau haben Sie in Niederösterreich bei der Sozialhilfe nachgeschärft. Warum ist es Ihnen so wichtig, dass andere Bundesländer Ihrem Beispiel folgen?

Mikl-Leitner: Weil es eine Frage der Gerechtigkeit ist. In Niederösterreich haben wir bereits seit 2019 das strengste Sozialhilfemodell Österreichs. Für mich ist klar: Arbeit und Leistung müssen sich immer mehr lohnen als Nichtstun. Alles andere ist ungerecht gegenüber jenen, die jeden Morgen aufstehen und unser Land am Laufen halten.

"Heute": Wie soll eine neue, bundesweit einheitliche Lösung aussehen?

Mikl-Leitner: 2025 hat Niederösterreich 63 Millionen Euro für die Sozialhilfe ausgegeben, Wien rund 1,1 Milliarden Euro. Diese Kluft ist enorm, gleichzeitig fehlt das Geld dann in anderen Bereichen, wie in der Gesundheitsversorgung. Deshalb brauchen wir eine bundeseinheitliche Lösung nach niederösterreichischem Vorbild. Für mich gilt dabei ganz klar: kein Cent mehr für jene, die arbeiten könnten, aber nicht arbeiten wollen. Es geht nicht darum, Menschen im Stich zu lassen, die wirklich Hilfe brauchen. Es geht darum, Anreize zur Arbeit zu schaffen und Missbrauch zu verhindern.

"Heute": Bund, Länder und Gemeinden haben sich vergangenes Jahr auf eine Reformpartnerschaft verständigt. Sind Sie mit den bisherigen Ergebnissen zufrieden?

Mikl-Leitner: Die Landsleute erwarten sich, dass diese Republik Zuständigkeiten klar regelt. Im Zuge der Reformpartnerschaft braucht es die Kompromissbereitschaft von allen, damit sich etwas zum Besseren verändert. Ich kann nur sagen: Ich bin dazu bereit. Entscheidend ist aber bei jeder Reform: Sie muss den Menschen konkret etwas bringen. In Niederösterreich zeigen wir gerade mit dem Gesundheitsplan 2040+, wie man die medizinische Versorgung im Bundesland zukunftsfit aufstellen kann.

"Heute": Welche Schlagzeile aus 20 Jahren "Heute Niederösterreich" hat Sie gefreut?

Mikl-Leitner: Da gibt es nicht die eine Schlagzeile. Gefreut haben mich jene Schlagzeilen, die zeigen, dass in Niederösterreich etwas weitergeht: Wenn Betriebe investieren, neue Arbeitsplätze entstehen, Familien Unterstützung bekommen oder Menschen Großartiges leisten: der Spatenstich für den Campus Hainburg, die Planungen für das Polizeisicherheitszentrum St. Pölten, die Eröffnung eines 19-Millionen-Euro-Investments von Vöslauer und vieles mehr. Solche Schlagzeilen zeigen, wie stark sich Niederösterreich entwickelt.

„Wenn die Landsleute wollen, dann würde ich mich sehr freuen, diesem Land weiterhin dienen zu dürfen.“

"Heute": Und auf welche hätten Sie gerne verzichtet?

Mikl-Leitner: Auf jene, die von schweren Schicksalsschlägen, Unfällen, Gewalttaten oder Naturkatastrophen berichten. Denn hinter solchen Schlagzeilen stehen immer Menschen und Familien, die Leid erfahren. Besonders das Hochwasser 2024 war für unsere Landsleute eine schwere Prüfung. Gleichzeitig hat sich gerade in solchen Stunden deutlich gezeigt, was Niederösterreich ausmacht: die unglaubliche Hilfsbereitschaft unserer Einsatzorganisationen, der Gemeinden und der Bevölkerung.

"Heute": Abschließend ein Blick in die Zukunft: Stehen Sie 2028 nochmals als Landeshauptfrau zur Verfügung?

Mikl-Leitner: Landeshauptfrau von Niederösterreich sein zu dürfen, ist für mich die schönste Aufgabe, die es geben kann. Meine Arbeit sehe ich als Dienst an der Heimat und an unseren Landsleuten. Wenn die Parteigremien und die Landsleute wollen, dann würde ich mich sehr freuen, diesem Land weiterhin dienen zu dürfen.

"Heute": Ich danke Ihnen für das Gespräch!

{title && {title} } coi, {title && {title} } Akt. 25.06.2026, 07:03, 25.06.2026, 04:50
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen