Seit Donnerstagfrüh müssen Hunderte Bewohner in Penzing und Ottakring ohne Fernwärme – und damit ohne Warmwasser – auskommen. Grund für die Sperre sind umfangreiche Wartungsarbeiten am Fernwärmenetz, der sogenannten Flötzersteig-Leitung.
Auf einer Länge von mehr als drei Kilometern werden nun Leitungen, Armaturen und Ventile modernisiert. Gleichzeitig entstehen auf dem Gelände der Klinik Ottakring neue Fernwärme-Anlagen und Leitungsverbindungen. Betroffene Straßenzüge sind etwa die Spallartgasse, die Breitenseer Straße, die Leyserstraße sowie die Penzinger- und Hütteldorfer Straße. Bis Montag, 9 Uhr früh, sind 140 Hausanschlüsse ohne Warmwasser.
Betroffen ist etwa Friseur Dragan Jovanović (48). Mit seinem Betrieb "Italo Hair Style" in der Hütteldorfer Straße 130 ist er seit 20 Jahren im Bezirk. Er hat trotz Fernwärme-Sperre geöffnet: "Als wir davon erfahren haben, waren wir ein bisschen geschockt. Aber es ist nicht das erste Mal, dass das passiert. Im Haus sind auch schon Rohre geplatzt, da ist dann das Wasser wegen Reparaturarbeiten ausgefallen", so der Friseur-Weltmeister.
Doch Not macht erfinderisch – ein Kunde hatte schließlich den richtigen Tipp: "Wir haben jetzt einen Mini-Durchlauferhitzer direkt angeschlossen. Ich hoffe, dass wir genügend Warmwasser haben. Aber ich seh's positiv: Wir schaffen immer alles", zeigt sich Jovanović optimistisch.
Auch Kundin Katarina (53) sieht es gelassen: "Ich werde es überleben, es gibt schlimmere Sachen. Ich bin abgehärtet, ich kann auch kalt duschen. Wenn ich warm duschen möchte, kann ich noch zu meiner Tochter in den 19. Bezirk flüchten", meint sie zu "Heute".
Der perfekte Zufluchtsort für Warmduscher ist das Fitnesscenter "Holmes Place" auf der Hütteldorfer Straße: "Wir wollten auch während der Sperre Warmwasser für unsere Kunden. Wien Energie hat sich dann bei uns gemeldet, dass man unsere Anlage aufrüsten kann – das haben wir uns auch was kosten lassen", erklärt Club-Manager Jörg Merten.
Während eine Dusche mit bis zu 40 Grad heißem Wasser möglich ist, ist der Sprung in den Pool im Kellergeschoß erfrischend: "Der Pool hat aktuell (Stand: Donnerstagvormittag) 27 Grad. Leider können wir ihn nicht erwärmen. Ich schätze bis Sonntag wird er auf etwa 20 Grad abkühlen", so Merten.
Für betroffene Bewohner hat Wien Energie mobile Dusch-Container organisiert. Diese befinden sich in Ottakring etwa bei der Müllverbrennungsanlage Flötzersteig und in der Lorenz-Mandl-Gasse sowie in Penzing im Matzner- und Gustav-Klimt-Park (beim Pensionistenwohnheim Gustav Klimt). Die Standorte sind von 6 bis 22 Uhr für alle geöffnet und haben getrennte Duschbereiche für Frauen und Männer.
Beim "Heute"-Lokalaugenschein zeigt sich: Die Duschcontainer bleiben überwiegend leer – Betroffene sind entweder in der Arbeit oder haben es sich im Freibad (es gab auch 25-Euro-Bäder-Gutscheine von Wien Energie) gemütlich gemacht.
Lieselotte (67) wohnt gleich in der Nähe und ist neugierig auf die Dusch-Container. Ihr Fazit: "Die sind nicht so schlimm, schauen besser aus als erwartet." Benützen will sie sie trotzdem nicht: "Ich fahre in die Wohnung meiner Tochter, die ist gerade auf Urlaub. Da kann ich in Ruhe duschen. Oder ich spritze mich mit dem kalten Wasser aus dem Gartenschlauch ab", lacht Lieselotte.
Auch der Ottakringer Bezirksrat Martin Erlinger (Grüne) bleibt cool: "Die Empörung und die Beschwerden im Vorfeld kann ich nicht nachvollziehen. Ich finde auch die Vorlaufzeit war angemessen." Die Dusch-Container sind für ihn und seine Familie allerdings keine Option: "Meine Frau geht ins Fitnesscenter duschen, meine Tochter bei einer Freundin und ich selbst auch bei Freunden – das ist für uns die bequemere Variante."
Neben den Containern stellen auch Sportvereine ihre Brausebäder zur Verfügung – der SK Slovan HAC, der FV Austria XIII, der SC Red Star Penzing und SK Rapid Wien. Bei Rapid können Betroffene genau dort duschen, wo sich Gäste-Mannschaften und -Trainer nach dem Spiel den Schweiß vom Körper spülen. Obwohl er FK Austria Wien-Fan ist, zeigt sich auch Felix (8) aus Penzing vom großen Duschbereich begeistert: "Es ist gut gemacht und auch sauber."