100.000 Betroffene

Weiße Flecken: Spezial-Spiegel macht Krankheit sichtbar

Eine Spiegel-Aktion vor der Uni Wien zeigte am Welt-Vitiligo-Tag, wie Menschen mit der Weißfleckenkrankheit ihren Alltag erleben.
Wien Heute
25.06.2026, 21:55
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Wer am Welt-Vitiligo-Tag vor der Uni Wien in den Spiegel blickte, konnte sein eigenes Gesicht kaum wiedererkennen. Denn eine besondere Installation zeigte Passantinnen und Passanten am Donnerstag, wie es ist, mit den typischen weißen Hautflecken der Erkrankung Vitiligo zu leben.

Perspektivenwechsel

Unter dem Motto "Ein kleiner Perspektivenwechsel kann Großes bewirken" stand von 11 bis 14 Uhr vor dem Hauptgebäude der Universität Wien ein besonderer Spiegel. Der sogenannte Vitiligo-Spiegel verändert das eigene Spiegelbild und zeigt die charakteristischen weißen Flecken der Hauterkrankung. Ziel der Aktion war es, mehr Verständnis für Betroffene zu schaffen.

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Krankheit bekommt mehr Aufmerksamkeit

"Eine Auswertung der Google-Suchanfragen hat gezeigt, dass die Aufmerksamkeit für Vitiligo in Österreich von 2024 auf 2025 um rund 50 Prozent gestiegen ist", sagt Oberärztin Dr. Tamara Arnoldner, Hautärztin an der Universitätsklinik für Dermatologie am AKH Wien und bei JUVENIS.

Bei einer Aktion vor der Uni Wien konnten Passantinnen und Passanten den Spiegel testen.
Incyte

Doch trotz steigender Bekanntheit fehlt oft das Verständnis für die Herausforderungen im Alltag. "Neben dem Wissen über die Erkrankung ist es entscheidend, Menschen mit Vitiligo besser zu verstehen. Manche Patienten berichten, dass ihr Umfeld nicht wirklich begreift, wie es ist, eine sichtbare Hauterkrankung zu haben", so Arnoldner.

100.000 Betroffene in Österreich

Vitiligo ist eine chronische Hauterkrankung, bei der die pigmentbildenden Hautzellen zerstört werden. Die Folge sind weiße oder zartrosa Flecken auf der Haut. Die Krankheit tritt meist zwischen dem 10. und 30. Lebensjahr erstmals auf.

Schätzungen zufolge leben in Österreich rund 100.000 Menschen mit Vitiligo. Besonders im Sommer leiden viele Betroffene stärker unter den sichtbaren Hautveränderungen. Durch Sonnenbräune werden die Kontraste deutlicher, gleichzeitig wird mehr Haut gezeigt.Dabei sind es oft nicht die körperlichen Beschwerden, die am meisten belasten, sondern die Reaktionen anderer Menschen.

Vorurteile und Ausgrenzung

"Blicke und unerwünschte Aufmerksamkeit, Ausgrenzung, bis hin zur Belästigung, aber auch Schwierigkeiten, das eigene Selbstbild zu akzeptieren – die Patienten erzählen von ganz unterschiedlichen Dingen", berichtet Arnoldner. "Kinder und Jugendliche leiden besonders stark unter ihrem Aussehen. Die Ausgrenzung bei Erwachsenen ist meist subtiler, aber sie erleben zum Beispiel Nachteile bei der Partnersuche oder im Berufsleben."

Wie groß die Unsicherheit in der Bevölkerung ist, zeigt auch eine Schweizer Studie: Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, sich zumindest einmal in Gegenwart einer Person mit sichtbarer Hauterkrankung unwohl gefühlt zu haben. Noch immer halten sich Irrtümer, Vitiligo sei ansteckend oder die Folge mangelnder Hygiene. Deshalb appelliert die Expertin an Betroffene, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen: "Ich rate: Gehen Sie zur Hautärztin bzw. zum Hautarzt. Eine Behandlung, die zur Repigmentierung führt, kann auch das Selbstbewusstsein stärken."

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