Nach Erhalt der frohen Botschaft machte Tadej Pogacar einen kleinen Freudensprung. Der Slowene war schnell nach Alpe d'Huez hinaufgeflogen, sehr schnell. Doch wie schnell genau, das erfuhr der Superstar des Radsports erst nach der Siegerehrung. Dann aber wurde ihm mitgeteilt: Der Uralt-Rekord von Marco Pantani steht nicht länger – Pogacar hat ihn zertrümmert.
35:26 Minuten hatte Pogacar für die 13,8 km und die 21 Kehren des legendären Schlussanstiegs der 19. Etappe der Tour de France am Freitag benötigt. Gewaltige 1:24 Minuten weniger als Pantani dereinst im Sommer 1995. 30 Jahre lang hatten sich die besten Bergfahrer der Welt, sauber oder auch nicht, an der Marke des "Piraten" die Zähne ausgebissen. Ob Lance Armstrong, Jan Ullrich, Alberto Contador oder Chris Froome.
"Das hat mich sehr glücklich gemacht, als ich das gehört habe", sagte Pogacar: "Ich wusste nicht genau, wo der Rekord lag. Ich war in den vergangenen Wochen nicht so oft im Internet."
Seine neue Bestmarke bedeutet einen Temposchnitt von 23,38 km. Für Hobbyfahrer schon im Flachen ein sportlicher Speed – Pogacar bewältigte damit einen langen Anstieg mit durchschnittlich 8,7 Prozent Steigung.
Die Rekorde an den mythischen Anstiegen der Tour sind mitunter schwer vergleichbar, bedingen auch einer geeigneten Rennsituation. Pogacar fuhr am Freitag schon mit Vollgas in den Anstieg hinein und attackierte dann zwölf Kilometer vor dem Ziel final – und war damit mehr als dreieinhalb Minuten schneller als bei seinem zuvor einzigen Huez-Auftritt 2022.
Von den Spekulationen über eine Viruserkrankung im Team, über mögliche Magen-Darm-Probleme bei Pogacar, war damit nichts zu sehen gewesen. Der Slowene selbst hatte die Spekulationen ausgelöst, weil er – äußerst ungewöhnlich – seit Donnerstag zum legendären Gelben Trikot des Gesamtführenden der Frankreich-Rundfahrt eine schwarze Hose trug.
Edelhelfer Brandon McNulty musste am Donnerstag jedenfalls aussteigen, die Teamkollegen Adam Yates und Timm Wellens hatten mit großen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen gehabt, sind aber noch im Rennen.