Keine Vorfreude auf EM in der Ukraine

Bild: DAPD

Wenn ein internationales Großereignis wie eine Fußball-Europameisterschaft bevorsteht, sollten die Fans im Gastland in Vorfreude glühen. Nicht so in der Ukraine. Die EURO 2012 scheint den meisten Ukrainern egal zu sein. Wenn man sich umhört, heißt es oft: "Das bringt uns nichts." Überflüssig, teuer. Doch einen Boykott lehnen die meisten ab. Und die offizielle Ukraine ließ im Vorfeld die Chance einer Imagewerbung und einer Profilierung verstreichen, was Europäer, die in dem Land leben, nicht nachvollziehen können.

Wenn ein internationales Großereignis wie eine Fußball-Europameisterschaft bevorsteht, sollten die Fans im Gastland in Vorfreude glühen. Nicht so in der Ukraine. Die EURO 2012 scheint den meisten Ukrainern egal zu sein. Wenn man sich umhört, heißt es oft: "Das bringt uns nichts." Überflüssig, teuer. Doch einen Boykott lehnen die meisten ab. Und die offizielle Ukraine ließ im Vorfeld die Chance einer Imagewerbung und einer Profilierung verstreichen, was Europäer, die in dem Land leben, nicht nachvollziehen können.

"Die ukrainischen Botschaften machen für das Image im Land nichts", bringt es ein Diplomat in Lwiw (Lemberg) auf den Punkt. "Die Ukrainer tun nichts, um sich selbst besser darzustellen. Sie können sich nicht vermarkten", meint ein anderer. Das war, bevor es zwischen EU und Ukraine wegen der Erkrankung der inhaftierten Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko zum Eklat und zu EURO-Boykott-Drohungen kam. Die negative Auslandspresse hatte aber schon früher zu Frust und zur Ablehnung der EURO in der Bevölkerung geführt.

Die Menschen in der Ukraine haben große Existenzsorgen. Freilich, ein Großteil ist gegen einen Boykott durch das Ausland, wie er zuletzt in Westeuropa Schlagzeilen machte. Das würde wieder einmal die Falschen treffen. Für "die da oben" wollen die einfachen Bürger nicht die Rechnung bezahlen. Dass sich die Regierung und ihr wohlgesinnte Unternehmer bei solchen Großveranstaltungen zu bereichern pflegen, darüber macht man sich in dem Land, wo Korruption den Alltag prägt, keine Illusionen.

Österreicher entwarf EM-Stadion

Die EURO ist eigentlich nur in den vier Städten, in denen Matches ausgetragen werde, ein Thema. Also in Kiew, Lwiw, Donezk und Charkiw. Trotz der politischen Negativ-Werbung sind die Veranstalter beim Kartenverkauf zuversichtlich. In Lwiw werden Zehntausende Fans aus Dänemark, Deutschland und Portugal erwartet. Das Endspiel findet in Kiew statt. Auf dem Maidan, dem zentralen Stadtplatz, ist eine Fanmeile geplant.

Für das neue Stadion in der westukrainischen Metropole Lwiw bekam ein österreichischer Architekt den Zuschlag. Kürzlich wurde im Beisein von Präsident Viktor Janukowitsch ein riesiger neuer Terminal eröffnet, der völlig überdimensioniert anmutet. Doch die Region sieht darin eine Chance, künftig neue Fluglinien anzulocken. Flüge nach Lwiw sind derzeit teuer. Die Stadt könnte mit Kultur- und Kongresstourismus punkten. Bisher reisen vor allem Polen und deutschsprachige Besucher an, gefolgt von Italienern und Franzosen. Auch die Japaner sind im Kommen.

Die Korruption blüht

Kritik wird jetzt schon laut an dem Umstand, dass geschäftstüchtige Ukrainer mit der EURO einfach schnelles Geld machen wollen. Die Hotelpreise werden während des Events (8. Juni bis 1. Juli) um ein Mehrfaches hinaufschnellen, auch die Studentenheime (die Unis schließen extra im Juni) sollen als Touristenquartiere teuer vermietet werden. Bei den Bauarbeiten kamen hauptsächlich ostukrainische Firmen zum Zug. Die Korruption blüht, die Vorgaben bei den Stadionbauten haben sich vervielfacht. In den Ausbau der Infrastruktur soll die exorbitante Summe von 10 Mrd. Euro geflossen sein.

Dass EURO-Partner Polen ein EU-Mitglied ist und die Ukraine nicht, macht die Dinge nicht einfacher. Während des Turniers soll es Erleichterungen bei den Schengen-Visa geben. Schon jetzt wird in der Ukraine Kritik an Polen laut wegen zu großzügiger Handhabung des Grenzregimes. Im Gegensatz zur Ukraine hat Polen die EM zu einer großen PR-Aktion genützt. Viele Begleitaktivitäten sind geplant, besonders kultureller Natur. In Kiew werden Kirchen und Klöster renoviert. Man hofft auf Fans, die sich abseits des Rasens auch für Kultur interessieren.

Österreichische Firmen beteiligt

Einige österreichische Unternehmen konnten sich in die EURO geschäftlich einklinken. Der Architekt Albert Wimmer (Wörthersee-Stadion) zeichnet für die Arena Lwiw verantwortlich. Do & Co wurde für das VIP-Catering an den jeweils vier Standorten in Polen (Warschau, Gdansk/Danzig, Wroclav/Breslau, Poznan/Posen) und in der Ukraine engagiert. Die Firma Richter Rasen begrünte die Stadien in Lwiw, Kiew und Donezk.

Nüchtern fiel die Zwischenbilanz eines ukrainischen Kommentators zur Performance in Sachen EURO aus. "Die Fußball-EM gab der Ukraine nicht nur die Chance, neue Stadien, Straßen und Flughäfen zu bauen, sondern auch näher an die europäische Familie heranzurücken. Die erste Aufgabe wurde erfüllt, die zweite nicht." Weniger pessimistisch urteilt der Politologe Viktor Neboschenko. Die EURO werde die Situation im Wahljahr entschärfen, "entpolitisieren". Im Herbst sind ja Parlamentswahlen angesetzt. Mit Blick auf die vier Austragungsorte von der West- bis in die Ostukraine meinte er: "Wir werden wenigstens für eine kurze Zeitspanne ein geeintes Land sein."

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