KI, Daten, Angriffe

KI bringt Firmen bei der Sicherheit an ihre Grenzen

Viele Firmen kämpfen mit neuen KI-Risiken. Gleichzeitig gewinnt die Kontrolle über eigene Daten immer stärker an Bedeutung.
Digital  Heute
29.07.2026, 16:25
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Künstliche Intelligenz verändert nicht nur den Arbeitsalltag, sondern auch die Bedrohungslage im Netz. Unternehmen stehen dadurch vor völlig neuen Herausforderungen. Der aktuelle "2026 Cybersecurity Assessment Report" des Sicherheitsunternehmens Bitdefender zeigt, dass viele Betriebe Schwierigkeiten haben, mit der rasanten Entwicklung Schritt zu halten. Besonders die Nutzung von KI im Unternehmen, der Schutz sensibler Daten und die Frage, wer überhaupt Zugriff auf diese Daten hat, beschäftigen Sicherheitsverantwortliche weltweit.

Für die Untersuchung wurden zwischen April und Juni 2026 insgesamt 1.201 IT- und Cybersicherheitsexperten aus Unternehmen mit mindestens 500 Beschäftigten befragt. Die Teilnehmer kamen aus Deutschland, den USA, Großbritannien, Frankreich, Italien und Singapur. Vertreten waren sowohl IT-Manager und Sicherheitsverantwortliche als auch Experten aus dem operativen Alltag wie Sicherheitsanalysten, Architekten und Ingenieure.

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Viele Unternehmen kennen ihre KI-Nutzung nicht genau

Ein auffälliges Ergebnis betrifft den Einsatz von KI-Anwendungen im Unternehmen. Nur 51,8 Prozent aller Befragten gaben an, vollständig zu wissen, welche genehmigten und nicht genehmigten KI-Werkzeuge von den Mitarbeitern verwendet werden. In Deutschland lag dieser Wert mit 52 Prozent praktisch auf demselben Niveau. Fast ebenso viele Unternehmen verfügen dagegen nur über einen eingeschränkten Überblick. Weltweit erklärten 47,4 Prozent der Teilnehmer, sie hätten lediglich teilweise Einblick in den Einsatz sogenannter Schatten-KI.

Dabei zeigt sich laut Studie auch eine Wahrnehmungslücke zwischen Führungskräften und Mitarbeitern. Während sich 57,8 Prozent der Manager überzeugt zeigten, den KI-Einsatz zu überblicken, waren es unter den Sicherheitspraktikern lediglich 45,9 Prozent. Gleichzeitig räumten nur 0,5 Prozent der Führungskräfte ein, überhaupt keinen Überblick zu haben. Bei den Experten, die täglich mit Sicherheitsvorfällen arbeiten, lag dieser Wert bei 4,5 Prozent. Das deutet darauf hin, dass das Management die tatsächlichen Risiken teils unterschätzt.

Interne KI-Systeme bereiten die größten Sorgen

Wenn es um besonders gefährdete Bereiche geht, stehen interne KI-Systeme und große Sprachmodelle ganz oben auf der Liste. 45 Prozent der weltweit Befragten nannten diese Systeme als größte Sorge. Dahinter folgen Cloud-Infrastrukturen und Anwendungen mit 44 Prozent sowie Systeme zur Verwaltung von Benutzerkonten und Zugriffsrechten mit 33,3 Prozent. In Deutschland fiel die Gewichtung etwas anders aus. Auch hier lagen interne KI-Systeme mit 41 Prozent an erster Stelle. Dahinter folgten Cloud-Infrastrukturen mit 39 Prozent.

Auffällig ist außerdem, dass deutsche Teilnehmer klassischen Infrastrukturen wie IoT-, OT- und kritischen Systemen mit 31,5 Prozent sowie älteren lokalen Anwendungen und Servern mit 27,5 Prozent ebenfalls große Aufmerksamkeit widmen. Gleichzeitig zeigt die Studie einen Widerspruch. Obwohl KI-Systeme als besonders schützenswert gelten, bewerteten weltweit 20,4 Prozent das Risiko als gering oder sehr gering, vertrauliche Informationen in öffentlichen KI-Diensten preiszugeben. In Deutschland lag dieser Anteil sogar bei 24,5 Prozent.

Viele Angriffe bleiben offenbar unter Verschluss

Besonders kritisch fällt ein weiteres Ergebnis aus. Mehr als die Hälfte jener Befragten, deren Unternehmen innerhalb der vergangenen zwölf Monate Opfer eines Sicherheitsvorfalls oder einer Datenoffenlegung geworden war, erklärte, sie seien aufgefordert worden, darüber Stillschweigen zu bewahren. Weltweit berichteten 55,2 Prozent von einem solchen Druck. Im Jahr 2025 waren es 57,6 Prozent gewesen, 2023 dagegen erst 42 Prozent. In Deutschland lag der Anteil mit 57,2 Prozent gemeinsam mit Großbritannien über dem weltweiten Durchschnitt.

Besonders häufig berichteten Teilnehmer aus den USA mit 68,6 Prozent davon, Vorfälle vertraulich behandeln zu sollen. Auffällig ist außerdem, dass sich die Aussagen von Führungskräften und technischen Mitarbeitern kaum unterscheiden. 56,8 Prozent der Manager und 53,5 Prozent der Sicherheitspraktiker gaben an, einen vergleichbaren Druck erlebt zu haben. Am häufigsten führten unerlaubte Zugriffe auf Cloud-Infrastrukturen oder Anwendungen zu Sicherheitsvorfällen. Weltweit nannten dies 41,8 Prozent der Befragten.

An zweiter Stelle folgten Business-E-Mail-Compromise-Angriffe mit 35,9 Prozent. In Deutschland berichteten 30,5 Prozent davon. Ransomware verursachte weltweit in 25,6 Prozent der Fälle Sicherheitsvorfälle, in Deutschland waren es 21,5 Prozent. Parallel dazu beobachten immer mehr Unternehmen, dass Kriminelle auf KI setzen. 59,2 Prozent der weltweit Befragten berichteten, im vergangenen Jahr KI-gestützte Social-Engineering-Angriffe registriert zu haben. Deutschland lag mit 66 Prozent hinter den USA, wo 71,2 Prozent solche Vorfälle beobachteten.

Schutzmaßnahmen kosten Zeit und Ressourcen

Obwohl vielen Unternehmen die Risiken bewusst sind, fällt es ihnen schwer, ihre Angriffsfläche wirksam zu verkleinern. Als größte Hürde nannten 38 Prozent weltweit den hohen Aufwand, Sicherheitsregeln und zahlreiche Ausnahmen laufend zu verwalten. In Deutschland lag dieser Wert bei 38,5 Prozent. Hinzu kommen fehlende personelle Ressourcen. 34,6 Prozent weltweit und 32 Prozent in Deutschland erklärten, dass zu wenig Kapazitäten vorhanden seien, um Warnmeldungen abzuarbeiten und Systeme ausreichend abzusichern.

Viele Unternehmen befürchten außerdem, dass strengere Sicherheitsmaßnahmen den laufenden Betrieb beeinträchtigen könnten. Auch ältere IT-Systeme bleiben eine Herausforderung. 34,5 Prozent weltweit und 30,5 Prozent in Deutschland sehen deren Absicherung als Problem. Hinzu kommen Unsicherheiten darüber, welche Programme Mitarbeiter tatsächlich für ihre tägliche Arbeit benötigen. Neben technischen Fragen gewinnt auch die Kontrolle über die eigenen Daten zunehmend an Bedeutung.

Weltweit erklärten 76,1 Prozent der Befragten, sie würden ihren Anbieter für Cybersicherheitslösungen wahrscheinlich wechseln, wenn Zweifel an der Datensouveränität, an der geltenden Rechtsprechung oder an möglichen Zugriffen ausländischer Behörden bestünden. In Deutschland liegt dieser Wert bei 77 Prozent. Noch höher fällt die Zustimmung in den USA mit 87 Prozent und in Großbritannien mit 85 Prozent aus. Vor allem Führungskräfte legen auf dieses Thema großen Wert.

Deutsche sehen KI-Risiken etwas gelassener

Nach Einschätzung der Studie achten Unternehmen deshalb zunehmend darauf, wo ihre Daten gespeichert werden, wer darauf zugreifen kann und wie transparent Anbieter mit der Verarbeitung umgehen. Auch neue gesetzliche Vorgaben wie NIS2 oder DORA spielen dabei eine wichtige Rolle. Obwohl KI weltweit als bedeutendes Sicherheitsrisiko wahrgenommen wird, bewerten deutsche Sicherheitsprofis viele Gefahren etwas zurückhaltender als ihre internationalen Kollegen.

55,9 Prozent der weltweiten Teilnehmer sehen die größte Gefahr darin, dass Angreifer mithilfe von KI immer anpassungsfähigere Schadsoftware entwickeln könnten. In Deutschland teilen lediglich 47 Prozent diese Einschätzung. Auch das Risiko, dass Mitarbeiter vertrauliche Infos in öffentliche KI-Systeme eingeben, bewerten weltweit 53,5 Prozent als besonders hoch. In Deutschland liegt dieser Wert bei 42,5 Prozent. KI, die bestehende Schutzmechanismen umgehen kann, sorgen weltweit bei 52,5 Prozent für große Sorgen.

Noch deutlicher fällt der Unterschied bei Deepfakes und täuschend echten Sprachkopien aus. Weltweit betrachten 51,9 Prozent diese Entwicklung als großes Risiko. In Deutschland sehen das lediglich 38,5 Prozent so. Andrei Florescu, Präsident und General Manager der Bitdefender Business Solutions Group: "Die sich ausweitende Angriffsfläche, sich schnell verbreitende KI-getriebene Gefahren und ständiger operativer Druck drängen Organisationen dazu, ihren Sicherheitsansatz grundlegend zu überdenken."

{title && {title} } red, {title && {title} } 29.07.2026, 16:25