Österreichs Energiespeicher

Warum Österreichs Boiler plötzlich wichtig werden

In Österreich könnten rund 650.000 Warmwasserboiler als Energiespeicher dienen, sagt ein Startup. Möglich mache das ein smarter Schalter.
Digital  Heute
29.07.2026, 16:06
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Während über neue Stromleitungen, große Batteriespeicher und den Ausbau der Energienetze diskutiert wird, könnte ein Teil der Lösung längst in österreichischen Häusern vorhanden sein. Rund 650.000 Warmwasserboiler gibt es laut den vom Tiroler Unternehmen geht-e angeführten Daten der E-Control in Österreich. Viele dieser Geräte erhitzen Wasser nach einem fixen Muster. Dabei könnte der Zeitpunkt des Stromverbrauchs künftig eine größere Rolle spielen. Die Idee: Ein Boiler speichert Energie. Allerdings nicht in einer Batterie, sondern als Wärme im Wasser.

Wird das Wasser zu einem günstigen Zeitpunkt aufgeheizt, kann diese Wärme später genutzt werden. Genau dieses vorhandene Potenzial will das Innsbrucker Energy-Tech-Unternehmen geht-e mit einer digitalen Steuerung besser ausschöpfen. Das Tiroler Startup will bestehende Geräte deshalb mit einem intelligenten Schalter nachrüsten. Die Steuerung soll erkennen, wann besonders viel Strom aus erneuerbaren Quellen verfügbar ist oder wann die Photovoltaikanlage des Haushalts mehr Energie erzeugt, als gerade benötigt wird – und dann den Boiler heizen.

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Der Boiler wird zum Speicher

Die Wärme bleibt anschließend im Speicher erhalten und kann später für Dusche, Bad oder Küche genutzt werden. Der Strom wird damit nicht wie in einer Batterie wieder in elektrische Energie zurückverwandelt. Er wird direkt als Wärme im Wasser gespeichert. Gerade deshalb ist der Ansatz vergleichsweise leicht verständlich: Der Boiler übernimmt eine Aufgabe, die er ohnehin schon erfüllt, nur der Zeitpunkt des Aufheizens wird verändert. Die Steuerung soll laut geht-e deshalb auch auf zeitabhängige Strompreise reagieren können.

Der Energiespeicher für die Stromwende könnte längst im Badezimmer hängen. Ein Tiroler Startup will bestehende Boiler intelligent steuern.
geht-e

Bei solchen Tarifen verändert sich der Preis abhängig von der Tageszeit oder von der Situation am Strommarkt. Für Haushalte kann das bedeuten, dass Strom zu manchen Zeiten günstiger und zu anderen Zeiten teurer ist. Ob daraus tatsächlich eine Ersparnis entsteht, hängt allerdings vom jeweiligen Tarif, dem Stromverbrauch und den technischen Voraussetzungen ab. Auch die Größe des Boilers und das persönliche Nutzungsverhalten spielen eine Rolle. Eine pauschale Ersparnis lässt sich daher nicht für alle Haushalte angeben.

650.000 Geräte könnten gemeinsam viel bewirken

Der mögliche Effekt wird vor allem dann groß, wenn nicht nur einzelne Boiler, sondern viele Geräte gesteuert werden. Das Unternehmen beziffert die theoretisch mögliche tägliche Speicherkapazität dieser Geräte auf bis zu 13 Gigawattstunden, die Leistungsaufnahme mit mehr als 3 Gigawatt. "Der günstigste Speicher steht bereits in unseren Kellern. Wir müssen ihn nur intelligent ansteuern, um das Stromnetz sofort zu entlasten", so Stefan Jörer, Mitgründer von geht-e. Damit das im Alltag funktioniert, muss der Komfort erhalten bleiben.

Die Steuerung müsste deshalb berücksichtigen, wie viel Wärme im Speicher vorhanden ist und wann das Wasser voraussichtlich gebraucht wird. Das Unternehmen erklärt, die Technik sei bereits bei ersten Kundinnen und Kunden in Österreich im Einsatz. Die Steuerung sei zudem auf kommende dynamische Strom- und Netztarife vorbereitet. Ob eine Nachrüstung möglich ist, muss allerdings für die jeweilige Anlage geprüft werden. Nicht jeder Boiler ist gleich aufgebaut. Geht-e will die Steuerung künftig übrigens auch auf weitere Geräte ausweiten.

{title && {title} } red, {title && {title} } 29.07.2026, 16:06