Herkömmliche Computerwürmer lassen sich stoppen, sobald die Sicherheitslücke bekannt ist, die sie ausnutzen. Ein einfacher Patch genügt. Doch ein neuartiger Wurm mit integrierter Künstlicher Intelligenz könnte dieses Prinzip grundlegend aushebeln.
Denn der KI-Wurm entwickelt für jedes Ziel maßgeschneiderte Angriffsstrategien. Das große Sprachmodell (LLM), das im Wurm integriert ist, analysiert potenzielle Opfer und entwickelt passende Exploits in Echtzeit.
Wie "t3n.de" berichtet, haben Forscher der Universität Toronto in einem Experiment demonstriert, wie gefährlich diese neue Generation von Schadsoftware sein kann. Professor Nicolas Papernot, der das Team leitete, erklärte gegenüber der New York Times: "Man braucht ein absolut sicheres System, um sich dagegen zu verteidigen – und wir wissen, dass das derzeit nicht machbar ist."
Besonders alarmierend: Der Wurm nutzte in Tests sogar Sicherheitslücken aus, die erst 2026 bekannt wurden – also nach dem Ende seiner Trainingsphase. Er konnte öffentlich zugängliche Sicherheitshinweise zur Laufzeit einbeziehen und daraus funktionierende Angriffe entwickeln.
In einem isolierten Testnetzwerk mit 33 Geräten – darunter Linux-Server, Windows-Rechner und IoT-Geräte – erreichte der Wurm sieben Generationen der Selbstfortpflanzung. Er attackierte dabei knapp drei Viertel des Netzwerks erfolgreich.
Die Forscher betonen, dass ihr Prototyp absichtlich keine Verschleierungs- oder Täuschungsmodule enthält. Der Wurm wäre also bei aktiver Netzwerküberwachung relativ leicht zu entdecken. Auch war er nur in etwa der Hälfte aller Versuche tatsächlich erfolgreich.
Die Wissenschaftler verstehen ihre Arbeit als Warnschuss: Regierungen und Industrie müssten gemeinsam neue Strategien gegen diese Bedrohung entwickeln. Kritische Details zur verwendeten KI wurden im Forschungspapier bewusst weggelassen, um Missbrauch zu verhindern.