Die zunehmende Verbreitung von künstlicher Intelligenz in der Tech-Branche bremst die Einstellung von Berufseinsteigern. Besonders Bereiche wie Softwareentwicklung und Kundenservice sind betroffen - und Experten warnen vor wachsendem Druck auf Einstiegsgehälter.
KI automatisiert zunehmend Aufgaben, die bislang von jungen Mitarbeitern erledigt wurden, und verändert damit klassische Karrierepfade. Positionen mit Fokus auf Wertschöpfung im mittleren und oberen Karrierebereich bleiben dagegen stabil.
Laut computerwoche.de berichtet Erik Brynjolfsson, Leiter des Stanford Digital Economy Lab: "Bei Softwareentwicklern ist die Nachfrage nach Einsteigern im Alter von 22 bis 26 Jahren um etwa 20 Prozent zurückgegangen. In Call-Centern liegt der Rückgang bei etwa 15 Prozent. Beschäftigte in der Mitte ihrer Karriere kommen gut zurecht, sehr erfahrene Fachkräfte sogar sehr gut."
Anstatt die Löhne zu kürzen, stellen Unternehmen schlicht weniger Nachwuchskräfte ein. "Die Auswirkungen von KI zeigen sich bislang stärker bei der Beschäftigung als bei den Löhnen, doch wir beginnen auch, erste Effekte auf die Gehälter zu sehen", so Brynjolfsson. Die Zahl der Einstiegsstellen ist rückläufig - und der Trend könnte sich fortsetzen.
Ein weiteres Phänomen ist sogenanntes "AI-Washing": Unternehmen führen Entlassungen häufig auf KI zurück, selbst wenn das nicht der Hauptgrund ist. Laut einer Studie würden 17 Prozent der Befragten KI als Grund für Entlassungen nennen. 59 Prozent würden sie zumindest zur Rechtfertigung von Einstellungsstopps heranziehen.
Große Tech-Konzerne wie Amazon, Microsoft oder Meta haben KI bereits als Begründung für Stellenabbau vorgebracht. Auch Block (früher Square) strich 4.000 Jobs und verwies auf Effizienzgewinne durch KI. CEO Jack Dorsey schrieb: "Ich glaube, dass die Mehrheit der Unternehmen im Laufe des nächsten Jahres zu demselben Schluss kommen und ähnliche strukturelle Veränderungen vornehmen wird."
Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach KI-Kompetenzen deutlich. Stellenanzeigen mit Bezug zu KI haben Anfang 2026 stark zugenommen. "Wir sehen, dass immer mehr Arbeitgeber diese Fähigkeiten in hybride Rollen integrieren, die Softwareentwicklung, Datenkompetenz und System Engineering kombinieren", erklärt Kye Mitchell von der ManpowerGroup.