Recherche, erste Entwürfe, Basis-Code - Aufgaben, die früher Berufseinsteiger erledigten, werden heute immer öfter von künstlicher Intelligenz übernommen. Das verändert den Arbeitsmarkt grundlegend und macht es jungen Menschen schwerer, den Einstieg zu finden.
KI habe sich in kurzer Zeit vom Praktikanten zum Co-Worker entwickelt, erklärt KI-Experte Mark Zimmermann. Während frühe Chatbots auf genaue Anweisungen angewiesen waren, planen heutige KI-Agenten ihren Lösungsweg zunehmend selbst, recherchieren, nutzen Werkzeuge und korrigieren Fehler eigenständig.
Laut computerwoche.de sieht Zimmermann vor allem in der Softwareentwicklung einen tiefgreifenden Wandel. Teams verbringen weniger Zeit mit dem eigentlichen Schreiben von Code und mehr Zeit mit Architektur, Code-Reviews und der Definition von Anforderungen. Der Mensch rückt stärker in die Rolle des Orchestrators, Supervisors und Entscheiders.
Zimmermann warnt davor, aus der Entwicklung den Schluss zu ziehen, Junior-Positionen würden überflüssig. Vielmehr könnten mittlere Erfahrungsstufen unter Druck geraten, während Senior-Fachkräfte mit KI produktiver werden und Berufseinsteiger mit KI schneller lernen.
Unternehmen, die nur noch auf erfahrene Kräfte setzen, "sägen an dem Ast, auf dem sie sitzen", ist der Experte überzeugt. Denn ohne Nachwuchs fehlt langfristig der Nachschub an qualifizierten Mitarbeitern.
KI sei weniger ein Technologie- als ein Organisations- und Führungsthema, betont Zimmermann. Führungskräfte müssten Orientierung geben, Vertrauen schaffen und die Belegschaft befähigen, mit Unsicherheit umzugehen.
"KI ist Chefsache. Das ist kein IT-Projekt, sondern eine Organisationstransformation", so sein Fazit. Unternehmen müssten klare Leitplanken, Governance und Verantwortlichkeiten definieren - denn KI dürfe nicht autonom und ohne Kontrolle arbeiten.