Es hatte sich bereits in Umfragen abgezeichnet, die Überraschung war bei manchen dennoch groß. Nach 16 Jahren an der Macht musste der ungarische Langzeit-Premier Viktor Orbán eine herbe Wahlschlappe einstecken. Herausforderer Péter Magyar konnte mit seiner liberalkonservativen Partei TISZA (Partei Respekt und Freiheit) die Vormachtstellung der regierenden FIDESZ von Viktor Orbán beenden.
Mit dem Erreichen von 138 Parlamentssitzen dürfte TISZA eine Zweidrittelmehrheit im Parlament erhalten und somit weitreichende Kompetenzen erhalten. Wahlsieger Magyar kündigte in einer ersten Stellungnahme die Abkehr von Orbáns Politik an. Letztgenannter gestand seine Niederlage ein. Ihm sei "nicht die Verantwortung und die Chance zum Regieren anvertraut worden", sagt er.
Mittlerweile haben auch einige heimische Parteien auf das Wahlergebnis bei unseren Nachbarn reagiert.
Die ÖVP hält in einer Aussendung fest, dass "Kickl-Freund Orbán" abgewählt worden sei. "Die ungarische Bevölkerung hat mit überwältigender Mehrheit das destruktive Gegeneinander abgewählt und sich für eine proeuropäische Zukunft entschieden. Ich gratuliere Péter Magyar herzlich zu seinem beeindruckenden Sieg bei den heutigen Parlamentswahlen", so Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP).
"Als Nachbar Ungarns, als Parteifreund in der EVP und als Europäer freue ich mich auf unsere Zusammenarbeit – für vertrauensvolle Beziehungen zwischen unseren Ländern und für eine starke und geeinte Europäische Union", so der heimische Regierungschef.
Außenministerin Beate Meinl-Reisinger spricht von "sehr guten Nachrichten aus Ungarn". Noch vor Vorliegen des Endergebnisses erklärte sie auf X, dass die – zum Zeitpunkt des Beitrags – vorliegenden Daten zum Wahlausgang auf eine "Richtungsentscheidung für ganz Europa" hinweisen würde – "weg von Korruption und russischer Einflussnahme, hin zu konstruktiver Zusammenarbeit".
Vizekanzler Andreas Babler schrieb, ebenfalls auf X, dass Orbán "endlich abgewählt" sei. Das eröffne die Chance, Ungarn wieder an demokratische Grundwerte heranzuführen, so der Sozialdemokrat. Nun gelte es allerdings zu beobachten, ob Orbán das Wahlergebnis und die klare Entscheidung der Bevölkerung respektiere, "oder ob er bis zur Amtsübergabe weitere Schritte unternimmt, um seinen autoritären Umbau abzusichern".
Die Grünen sehen Ungarn in einer Aussendung vor einem "demokratischem Wendepunkt". "Das System Orbán ist abgewählt, und mit ihm auch der anti-europäische Kurs der letzten Jahre“, kommentiert die außen- und europapolitische Sprecherin der Grünen, Meri Disoski, den Ausgang der Parlamentswahl.
Die außergewöhnlich hohe Wahlbeteiligung sieht die Politikerin als ein klares Signal: "Sie zeigt, wie groß der Wunsch nach Veränderung war und wie bewusst vielen Menschen ist, dass es um die Substanz der Demokratie geht. Dass Viktor Orbán seine Niederlage eingestanden hat, ist ein wichtiger Schritt für einen geordneten demokratischen Übergang."