Kinderärzte: Gefährliche Immunreaktion folgt auf Covid

Das "Multisystem Inflammatory Syndrome" kann auch bei milden Verläufen nach einiger Zeit auftreten.
Das "Multisystem Inflammatory Syndrome" kann auch bei milden Verläufen nach einiger Zeit auftreten.Getty Images/iStockphoto
Eines von 1.000 Kindern ist nach einer Covid-Infektion von der gefährlichen Folgeerkrankung betroffen. Auf welche Symptome Eltern achten sollten.

Das sogenannte "Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome" könne auch nach einer möglicherweise sogar nur banalen, unbemerkten Corona-Infektion auftreten, erklärte Susanne Greber-Platzer, Leiterin der Kinderklinik der MedUni Wien, im "Heute"-Gespräch. Etwa eines von 1.000 betroffenen Kindern entwickelt dieses "Pädiatrische hyperinflammatorische Syndrom mit Multiorganbeteiligung" (Multisystem Inflammatory Syndrome in Children/MIS-C), warnte auch die Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) am Mittwoch.

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"Eine überschießende Entzündungskaskade, ausgelöst durch eine vielleicht nur banale Corona-Infektion führt zu einer Hyperinformation im Körper. Es kommt zu einer Entzündung, die Nieren, Leber und vor allem das Herz schädigt", erzählt Greber-Platzer. Betroffen sei der Herzmuskel, aber auch die Herzkranzgefäße, was in weitere Folge zu einer Durchblutungsstörung und dem Risiko eines Verschlusses und somit Infarktes führe.

Rote Flecken & Durchfall

Die Folgeerkrankung trete in seltenen Fällen rund zwei bis sechs Wochen nach einer Corona-Infektion auf. "Rote Flecken auf der Haut, hohes Fieber, gerötete Bindehaut und stark durchblutete rote, teilweise rissige Lippen sowie Augenringe, Bauchschmerzen sowie Durchfall und Erbrechen, leichter Husten können Anzeichen für MIS-C sein", berichtete Doris Ehringer-Schetitska, die die Arbeitsgruppe Kinderkardiologie der ÖGKJ leitet.

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"Diese Kinder gehören unmittelbar in eine Kinderabteilung und müssen meistens auch auf die Intensivstation, wo sie mit hohen Dosierungen von Kortison und Immunglobulinen behandelt werden. Passiert dies nicht, führt PIMS zum Tode", warnt Greber-Platzer. Wird die Immunreaktion jedoch rechtzeitig erkannt, heilt sie in vielen Fällen folgenlos aus, so Ehringer-Schetitska, die auch Leiterin der Abteilung Kinder- und Jugendheilkunde am Landesklinikum Wiener Neustadt ist.

Der beste Schutz vor PIMS

Grunderkrankungen scheinen keine Rolle zu spielen, da die meisten jungen Erkrankten vorher gesund waren. Betroffen sind nicht nur, aber vor allem Kinder am Ende des Volksschulalters bis hin zu jungen Menschen Anfang Zwanzig, weiß Greber-Platzer zu berichten.

Einen Schutz vor der lebensbedrohlichen Immunreaktion biete vor allem die Impfung – jene für Kinder selbst und durch geimpfte Personen im Umfeld. "Der beste Schutz vor dieser Folgeerkrankung von Covid-19 bleibt die Impfung. Diejenigen, die nicht geimpft werden können oder für die es noch keine Impfstoffzulassung gibt, wie die Unter-Zwölf-Jährigen, sind auf eine größtmögliche Durchimpfung ihres Umfelds angewiesen", betonte Ehringer-Schetitska.

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