Klagen gegen IOC und Reiterin nach Olympia-Eklat

Annika Schleu
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Ein Tierschutzverein hat Klage gegen das Olympische Komitee und den Reitsport-Weltverband erhoben. Beiden wirft der Verein "pure Tierquälerei" vor.

Die Bilder gingen um die Welt und sorgten in den sozialen Netzwerken für Empörung. Bei den Olympischen Sommerspielen in Tokyo setzte die deutsche Springreiterin Annika Schleu dem Pferd Saint Boy wiederholt die Sporen und züchtigte es mehrmals mit der Gerte. "Hau mal richtig drauf. Hau drauf", wies Kim Raisner, die Trainerin von Schleu diese an, als das Pferd, das offensichtlich gestresst war, trotz der Züchtigungsversuche nicht parierte. Raisner wurde daraufhin von den Olympischen Spielen ausgeschlossen.

Nun erhebt der Tierschutzverein "Wild beim Wild" Anklage gegen das Olympische Komitee und die Fédération Equestre Internationale. Beiden wirft der Verein vor, bei den Olympischen Spielen "pure Tierquälerei" toleriert zu haben.

"Es fehlte jeder Wille, einzuschreiten"

In einer Mitteilung schreibt "Wild beim Wild": "Es fehlte seitens der Beanzeigten jeglicher Wille einzuschreiten und das Leiden des Tieres zu beenden, nachdem sie mit der Ausrichtung solcher Wettkämpfe, in denen die Pferde, hochsensible Wesen, per Los ihnen nicht bekannten Reitern zugewiesen werden, erst die Gefahr setzten, dass diese Tiere im Rahmen des Wettkampfs Leid und Schmerz erfahren." Es sei jegliches Handeln zum Schutz des Pferdes unterblieben.

Die Reiterin Annika Schleu, die wegen ihrer in jeder Hinsicht missglückten Vorstellung auf dem Pferd Saint Boy vom zwischenzeitlich führenden auf den 31. Schlussrang zurückfiel, hat kein Verständnis für die Kritik an ihrem Verhalten. "Wenn man das sieht, mag man denken, dass das immer so läuft. Die Erfolge, die wir sonst zwischendurch feiern, sprechen dagegen", sagte Schleu in der ARD. "Eigentlich sind wir Deutsche als gute und solide und auch einfühlsame Reiter bekannt." Und gegenüber der "Zeit" verteidigte sie sich wie folgt: "Ich habe das Pferd nicht extrem hart behandelt. Ich hatte eine Gerte dabei, die vorher kontrolliert wurde. Genauso wie die Sporen. Ich bin mir wirklich keiner Tierquälerei bewusst".

Weitere Strafanzeigen

Anders sieht das der deutsche Tierschutzverein Peta. Auch er ist aktiv geworden, wie "Sport 1" berichtet. Genau wie "Wild beim Wild" fordert er eine komplette Streichung der Reitwettbewerbe an den Olympischen Spielen. "Die Olympischen Spiele stellen menschliche Athleten in den Vordergrund, nicht die Fähigkeit, Pferde zu verängstigen und zu verletzen", so die Peta in einer Mitteilung. Der deutsche Tierschutzbund hat zudem Strafanzeige gegen Reiterin Annika Schleu und ihre Trainerin Kim Raisner gestellt.

"Wild beim Wild" listet in der Anklageschrift weitere Fälle aus den Pferde-Wettkämpfen an den Olympischen Spielen in Tokyo auf, bei denen es seiner Meinung nach zu Tierquälerei gekommen ist. Abschließend hält der Verband "Wild beim Wild", der sich für gewöhnlich vor allem mit Tierschutz bei Jagd-Angelegenheiten beschäftigt, fest: "Was sich in Tokyos Baji Koen Equestrian Park ereignete, war weit entfernt vom normalen Springreiten und sollte stattdessen als pure Tierquälerei während den Olympischen Sommerspielen in Tokyo bezeichnet werden."

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