Darum ist Corona auch für das Klima gefährlich

Die Corona-Krise bedeutet für das Klima kurzfristig positive Effekte. Langfristig betrachtet gibt es jedoch vor allem negative Auswirkungen.
Einige Forscher haben bereits den kurzfristigen positiven Effekt der Corona-Krise auf das Klima angemerkt. Andere betonen wiederum, dass dieser Effekt nur von kurzer Dauersein dürfte. Langfristig müsse man damit rechnen, dass alles wieder mehr oder weniger den gleichen Lauf nimmt – vielleicht nur verspätet.

Denn gerade atmet das Klima auf, weil die Welt pausiert. Sobald sich die Räder der Wirtschaft wieder bewegen, der Flugverkehr wieder afugenommen wird, Autos die Straßen füllen und Fabriken auf Hochtouren versuchen das Versäumte nachzuholen, wird auch die Natur wieder einer hohen Belastung ausgesetzt sein.

"Es ist nur ein Übergang"

Laut Experten hängt das vor allem damit zusammen, dass es noch länger bis zu einer Trendwende dauern wird. In China zeigte sich in den vergangenen Wochen, wie so ein nachhaltigeres Modell aussehen könnte und wie schnell sich ein sichtbarer Effekt einstellt. Die Luftqualität verbesserte sich durch die gesunkene Produktion sowie den geringeren Verkehr sehr schnell.

Außerdem sanken die CO2-Emissionen auf ein neues Minimum, nach Berechnungen der britischen NGO Carbon Brief teilweise um ein Viertel. Was fehlt, ist ein anhaltender positiver Effekt. Es ist nur ein Übergang, wie der Klima-Ökonom Karl Steininger gegenüber dem "Standard" erklärt: "Unmittelbar sinken die Emissionen, zum Beispiel durch das Herunterfahren des Flug- und Personenverkehrs und der Industrie."

Klima-Maßnahmen haben nach der Corona-Krise keine Priorität mehr

Im Jahr 2008 zeigt sich ein ähnlich gesunkener Treibhausgas-Ausstoß in Folge der Finanzkrise. In den Folgejahren stiegen die Emissionen mit der Erholung der Wirtschaft wieder. Neben Industrie und Verkehr fallen auch der Gebäude- und Energiesektor ins Gewicht. Im privaten Bereich wird dieser nicht sinken. Zudem werden nun Budgets einzelner Länder, die für das Klima gedacht waren, in die Wirtschaft gepumpt.

Klima-Maßnahmen verlieren somit den Status ihrer Priorisierung. In Österreich soll dies jedoch nicht geschehen, wie es aus dem Ministerium heißt. Das Budget soll so hoch angesetzt bleiben wie es ist. Der Personenverkehr macht in Österreich rund zwei Drittel der Emissionen aus. Würden Unternehmen nach der Corona-Krise vermehrt auf Homeoffice setzen, wäre hier eine positive Reduktion möglich.

Weniger sichtbare Klimakrise kostet auch Menschenleben

Aus dem Umgang mit dem Coronavirus könnten laut dem Wirtschaftsphilosophen Felix Pinkert Lehren für die Klimapolitik möglich sein. Erst als mit Italien ein europäisches Land betroffen war, hätte man begonnen, Maßnahmen zu setzen. China war in der Wahrnehung zu weit weg. "Wir reagieren erst dann, wenn der Schuppen vom Nachbarn brennt", meint Pinkert. "Wir dürfen nicht mehr darauf warten, bis extreme Auswirkungen auch bei uns ankommen."

Diese Problematik ist jedoch noch nicht sichtbar. Das Handeln muss jedoch davor schon beginnen. Auch die Betroffenen wären die gleichen Personengruppen: Ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen. Nach Schätzungen des Climate Change Center Austria sollen bis Mitte des Jahrhunderts jährlich 1.000 bis 1.500 Menschen frühzeitig wegen der andauernden Hitzewellen sterben. Dazu betont Klimaexperte Steininger gegenüber dem "Standard": "Gegen Hitzewellen kann keine Herdenimmunität entwickelt werden."

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