Wer die weltberühmten Gemälde von Gustav Klimt ganz genau studiert, kann in kleinen Ornamenten Medizinern bestens bekannte Formen entdecken – menschliche Zellen. Der Grund: Klimt ließ sich vom Wiener Anatomie-Professor Emil Zuckerkandl das damals hochmoderne Mikroskop zeigen und war sofort von der Magie der Mikroorganismen fasziniert.
MedUni-Rektor Markus Müller zeigte sich beim "Heute"-Interview im historischen Hörsaal des Medizinhistorischen Museums tief ergriffen. Dort sind ab diesen Donnerstag 25 von Tobias G. Natter kuratierte Klimt-Zeichnungen "zum Fluss des Lebens" zu sehen. In der sehenswerten Schau "geht um die geistige Beziehung zwischen Medizin und Kunst im Werk von Superstar Klimt", erklärt Müller.
Video: Rektor Müller von Klimt-Bild tief ergriffen
Auch die Vorsitzende des Unirats und "Heute"-Herausgeberin, Eva Dichand kam aus dem Staunen kaum heraus. Sie weiß: Forscher fanden 2010 tatsächlich Formen von menschlichen Embryonalzellen (Blastozysten) im Klimt-Bildnis der Danaë. Auch in weiteren Werken sind Zellstrukturen, die Klimt unterm Mikroskop kennenlernte, sichtbar.
Eine erhaltene Schwarzweiß-Fotografie der in den letzten Kriegstagen leider verbrannten Skandal-Allegorie der Medizin, die 1901 von der Medizinischen Fakultät noch abgelehnt worden war, ist inzwischen überlebensgroß und durch KI koloriert auf der Fassade der MedUni verewigt. Ein Abbild findet sich in zentraler Rolle in der beeindruckenden Schau wieder. "Wir kennen Ausstellungen von Klimt als Portrait- und Landschaftsmaler, aber das kennen wir so noch nicht", versprach Kurator Natter.