Eine Einladung auf ein Bier an der Bar – und plötzlich wird es schwarz vor den Augen. Das aufregende erste Treffen mit dem Online-Date – und nach dem Cocktail setzt Kopfweh und starke Müdigkeit ein. Eine WG-Party mit guter Stimmung und einem Flirt mit einem neuen Bekannten – von einem Moment auf den anderen lässt die Aufmerksamkeit nach, alles verschwimmt vor den Augen. K.O.-Tropfen stehen (leider) oft im Zusammenhang mit Feiern und Fortgehen. Daher startet die Stadt Wien nun eine Sommerkampagne in Clubs, Lokalen und Konzert-Locations. Das Ziel: darüber zu informieren, wie mit dem Problem am besten umgegangen wird.
Bei K.O.-Mittel-Fällen sind die Zahlen gestiegen: allein 2022 gab es dazu beim 24-Stunden Frauennotruf rund 70 Beratungen, 2021 waren es noch 40 und 2020 20 Fälle – wobei die Dunkelziffer bei dieser Straftat besonders hoch ist. Aber wie handle ich richtig, wenn ich mitbekomme, dass jemandem K.O.-Tropfen ins Getränk gemischt werden oder wenn ich selbst vermute, dass mir jemand K.O.-Mittel gegeben hat? Ein erster wichtiger Schritt besteht darin, möglicherweise Betroffene darauf aufmerksam zu machen, das Getränk am besten auszuschütten und auch andere Personen zu informieren.
Auch das Barpersonal bzw. die Polizei sollte sofort verständigt werden. Zeugen können außerdem helfen, wenn sie die betroffene Person sicher nach Hause oder ins Krankenhaus begleiten. Doch auch prophylaktisch lässt sich einiges tun: Grundsätzlich sollte man Getränke nie unbeaufsichtigt lassen, Freunde und Freundinnen sollten immer gegenseitig aufpassen. Ganz wichtig ist es, dem eigenen Instinkt zu vertrauen – die Party etwa in Begleitung von Vertrauenspersonen zu verlassen, wenn man sich nicht wohl fühlt.
Bei plötzlichem Schwindel, Übelkeit oder einer unbekannten, enthemmenden Wirkung sollte sich die betroffene Person an eine Vertrauensperson oder an das Barpersonal wenden. Im Zweifelsfall nicht zögern, die Polizei unter 133 zu rufen! Da das Nachweisfenster je nach eingesetzter Substanz klein ist, sollten Betroffene so rasch wie möglich in ein Krankenhaus, wie etwas das AKH, fahren. Wichtig ist eine rasche Probenahme von Blut und Harn und die damit in Zusammenhang stehende Dokumentation. Auch wenn sich jemand noch nicht zu einer Anzeige entschieden hat, ist es vorerst wichtig für ein allfälliges Strafverfahren, Proben, Befunde und Fotos von Verletzungen zu sichern.
Vizebürgermeisterin und Frauenstadträtin Kathrin Gaál zum Startschuss der Kampagne im Prater Dome: "Wir wollen mit der klaren Botschaft 'Nichts ist O.K. bei K.O.-Tropfen' wachrütteln – und dazu aufrufen, hinzuschauen, zu handeln und zu helfen! Das Gefährliche an K.O.-Tropfen ist, dass man sie in Mischgetränken nicht riecht und schmeckt. Umso wichtiger ist es, auf das eigene Getränk – und auf andere – aufzupassen und zu handeln, wenn man mitbekommt, dass jemandem K.O.-Tropfen ins Getränk gemischt werden. Die Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs sind immer für Betroffene da – genauso wie für Zeuginnen und Zeugen, die helfen wollen."
"Als Betreiber einer Diskothek tragen wir auch eine Verantwortung gegenüber unseren Gästen. Unser Personal schaut ganz genau hin, wenn es um die Sicherheit unserer Gäste geht. Dennoch ist es wichtig achtsam zu bleiben und füreinander da zu sein – das gehört zum Feiern dazu. Deswegen unterstützen wir diese Kampagne der Stadt Wien sehr gerne!", so Prater Dome-Geschäftsführer Roger Pfister.
Die Kampagne "Nichts ist O.K. bei K.O.-Tropfen! Passen wir aufeinander auf! Hinschauen. Handeln. Helfen." der Stadt Wien ruft zu Aufmerksamkeit und Zivilcourage auf. Von Mitte Juli bis Anfang September wird Infomaterial in Clubs und Lokalen und bei Konzerten verteilt, darunter sind der Prater Dome, der Volksgarten, das Flex, der OH Club, die Babenberger Passage, das B72, das Chelsea, das Fluc Wien sowie das Ernst-Happel-Stadion.
Beratung zum Thema K.O.-Tropfen gibt es unter 01/71719 beim 24-Stunden Frauennotruf. Das Frauennotruf-Team ist täglich von 0 bis 24 Uhr erreichbar: 01/71719, [email protected]; www.frauennotruf.wien.at
Auch Toiletten-Plakate und Buttons machen auf das wichtige Thema aufmerksam. Zusätzlich werden Info-Broschüren des 24-Stunden Frauennotrufs zum Thema K.O.-Tropfen verteilt.