Drogenboom geht weiter

Kokain in Salzburg – Konsum und Handel nehmen stark zu

In der Festspielstadt hat sich der Konsum verdoppelt! Steigende Verfügbarkeit, sinkende Preise und hohe Reinheit locken immer mehr Menschen an.
Österreich Heute
20.01.2026, 13:46
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Kokain ist in Österreich so präsent wie nie zuvor. Der Preis fällt, die Reinheit steigt – und mit ihr das Risiko. In Salzburg hat sich der Konsum seit 2015 nahezu verdoppelt, Beratungsstellen berichten von einem massiven Anstieg. Das weiße Pulver ist längst kein Randphänomen mehr.

Wie groß das Geschäft mittlerweile ist, zeigte kürzlich ein spektakulärer Prozess: Vier Männer wurden verurteilt, weil sie rund 145 Kilogramm Kokain nach Salzburg geschmuggelt hatten. Es handelte sich um den wohl größten Drogenprozess, der je im Bundesland geführt wurde, berichtete der ORF.

Billiger Stoff, steigende Nachfrage

Fast jedes zweite Drogenberatungsgespräch in Salzburg drehte sich im Jahr 2024 um Kokain. Diese Zahl stammt aus dem aktuellen Suchtbericht des Landes und markiert einen klaren Wendepunkt. Vor zwei Jahren wurden 15 drogenbedingte Todesfälle registriert, neuere Daten sind noch in Auswertung.

Parallel dazu sinkt der Preis deutlich. "Wir hatten lange einen Preis von rund 100 Euro pro Gramm. Inzwischen liegt er eher zwischen 60 und 80 Euro", sagt Gerhard Jäger von der Drogenarbeit Z6 in Innsbruck. Möglich mache das ein stark gestiegenes Angebot.

Europa im Fokus der Kartelle

Größere Anbauflächen in Südamerika, effizientere Produktionsmethoden und eine hohe Nachfrage treiben den Markt an. Für Jäger ist klar, warum Europa zunehmend ins Visier der Kartelle rückt: "Es ist wenig verwunderlich, dass man aus Kartellsicht stark abhängig machende Substanzen dort verbreitet, wo viel Geld im Umlauf ist und man hohe Preise erzielen kann."

Auch die Polizei bestätigt den Trend. Salzburgs Polizeisprecher Hans Wolfgruber verweist auf immer größere Sicherstellungen. Während Mengen bei Amphetamin und Heroin zuletzt zurückgingen, stieg Kokain laut Lagebericht des Innenministeriums um 137 Kilogramm an.

Höhere Reinheit, höheres Risiko

Besonders alarmierend ist die Qualität des Stoffes. In der Suchthilfe Klinik Salzburg wurden zuletzt Proben mit bis zu 82 Prozent Reinheit festgestellt. Früher lagen diese Werte oft nur zwischen acht und 35 Prozent.

"Kokain zieht die Gefäße zusammen, was in extremen Fällen zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen führen kann", warnt Klinikleiter Hannes Bacher. Hinzu kämen starke Depressionen und Ängste, die häufig wiederum mit der Substanz bekämpft würden – ein gefährlicher Kreislauf.

Dealer nur einen Klick entfernt

Der Handel findet längst nicht mehr nur auf der Straße statt. Laut Jäger ist Kokain heute leicht über das Internet zu beschaffen. Bezahlt wird mit Kryptowährungen, angeboten wird offen über Social Media. Für jede Droge gebe es eigene Emojis – ohne ein Wort zu schreiben.

Auch in Salzburg reagieren die Behörden. Gemeinsam mit dem Zoll werden im Postverteilerzentrum Wals regelmäßig Kontrollen durchgeführt. Pro Einsatz werden dort zwischen 20 und 40 Suchtmittelsendungen sichergestellt.

Mitten in der Gesellschaft

Abwasseranalysen zeigen: Besonders im Westen Österreichs ist der Kokainkonsum hoch. Kufstein liegt österreichweit auf Platz eins, Salzburg auf Platz acht. Experten warnen jedoch davor, einzelne Orte zu stark zu gewichten.

Auffällig ist auch, wer konsumiert. Vor allem Männer unter 40 suchen Hilfe. "Die Droge ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen", sagt Bacher. Dealer würden sich zudem gezielt an Jugendliche und junge Erwachsene wenden.

Hilfe wird dringender

In Salzburg ist die Suchthilfe oft die erste Anlaufstelle. Ziel sei es, Wege in ein suchtmittelfreies Leben zu finden, erklärt Ursula Pokorny von der Suchthilfe Salzburg. Wichtig sei zu verstehen, welche Funktion Kokain im Alltag der Betroffenen erfülle.

Auch im ländlichen Raum steigt der Bedarf. Der Pongauer Peter Zauner gründete nach dem Drogentod seines Sohnes die erste österreichweite Selbsthilfegruppe für Angehörige. Die Nachfrage wachse stetig. "Es kostet nichts, tut nicht weh, aber der erste Schritt ist der wichtigste", sagt Zauner.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 20.01.2026, 18:39, 20.01.2026, 13:46
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