Am Salzburger Landesgericht ist am Montag ein Suchtgiftverfahren verhandelt worden, wie es in dieser Dimension laut Ermittlungen noch nie vorgekommen ist: Fünf Männer sollen als Teil einer internationalen Bande rund 145 Kilo Kokain eingeschmuggelt, gelagert und verkauft haben.
Die fünf Angeklagten (26 bis 42 Jahre) – zwei Salzburger mit Balkan-Wurzeln, ein Kroate und zwei Syrer – sollen Teil eines größeren, europaweit agierenden Täternetzwerks gewesen sein, das mit Kokainhandel Millionen lukrierte, berichten die "Salzburger Nachrichten". Der Tatzeitraum soll von Februar 2023 bis Mitte 2024 reichen.
Woher die Ware gekommen sein soll, schilderte Staatsanwältin Anna Mautner: "Das Kokain wurde von Belgien, den Niederlanden, Slowenien oder auch Spanien aus nach Salzburg gebracht." In der Stadt seien die Drogen laut Anklage "in Wohnungen oder Garagen zwischengelagert" worden. "Ein großer Teil wurde auch in Salzburg verkauft, ein Teil in die Schweiz, nach Italien oder Slowenien weitertransportiert."
Im Zentrum des Verfahrens steht ein 37-jähriger Salzburger, ein pleitegegangener Bauunternehmer, der bereits mehrere Jahre in Haft saß. Laut Staatsanwältin war er "der zentrale Koordinator und direkt am Handel mit 97 Kilo Kokain beteiligt. Er hatte die Kontakte zu den übergeordneten Auftraggebern und Lieferanten im Ausland. Er organisierte die Verteilung der Drogen, die er in zahlreichen Schmuggelfahrten per Pkw entweder selbst holte oder den Zweitangeklagten dazu beauftragte."
Der Zweitangeklagte, ein 42-jähriger Kroate, sei dabei "seine rechte Hand" gewesen: "Er transportierte mehr als 40 Kilo nach Salzburg und verkaufte auch Kokain im zweistelligen Kilobereich."
Einer der beiden angeklagten Syrer (31) soll laut Darstellung der Anklage eine zentrale Rolle beim Verkauf in Salzburg gespielt haben. Der andere Syrer (26) soll ebenfalls Kokain verkauft und einmal zehn Kilo in seiner Wohnung im Flachgau gebunkert haben.
Zusätzlich wird vier der Angeklagten auch Geldwäsche angelastet. "Ein großer Teil des Drogengeldes wurde in die Schweiz gebracht. Damit wurden hochpreisige Sportwagen, Luxusuhren oder teure Kleidung gekauft", so die Staatsanwältin.
Brisant: Ein Teil der insgesamt mehr als 20 Beschuldigten des Netzwerks soll nebenher bzw. früher als V-Männer für die Polizei tätig gewesen sein. Die Ermittler gaben der Operation deshalb, angelehnt an das lateinische Wort für "doppelt", den Namen "Duplex".
Ebenfalls ungewöhnlich an dem Fall: Der Hauptangeklagte legte im Ermittlungsverfahren eine "Lebensbeichte" ab – und hielt diese auch im Prozess aufrecht. Sein Verteidiger Robert Morianz sagte: "Die Anklage, ja die ganze Operation Duplex, stützt sich auf seine Aussagen. Er nannte den Ermittlern Drogenmengen, an die diese nicht im Entferntesten gedacht haben. Das muss man überaus strafmildernd bewerten."
Bis auf den 26-jährigen Syrer zeigten sich laut Verhandlung alle Angeklagten umfassend bzw. weitgehend geständig.
Am Montag fielen die Urteile für die vier geständigen, einschlägig vorbestraften Angeklagten:
Der 37-jährige Salzburger erhielt eine Gesamtstrafe von 14 Jahren Haft – damit nahezu die Höchststrafe (15 Jahre). Der 42-jährige Kroate bekam eine Zusatzstrafe von fünfeinhalb Jahren Haft zu 3,5 Jahren Haft, die er wegen Kokainhandels in Deutschland bereits verbüßt.
Der 31-jährige Syrer wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt. Der 39-jährige Salzburger, der mehrere Kilo Kokain verkauft und auch gebunkert haben soll, bekam sechs Jahre und zehn Monate Gefängnis.
Rechtskräftig ist bislang nur das Urteil des Syrers, der die zehn Jahre annahm. Die drei anderen Urteile sind nicht rechtskräftig. Gegen den fünften Angeklagten, der nicht geständig ist, wird der Prozess fortgesetzt.