Dass man keine Drogen nehmen sollte, weiß wohl jedes Kind. Und trotzdem tun es viele Menschen in Österreich. Auch Kokain. Es gilt längst nicht mehr als "Partydroge für wenige" – die Verfügbarkeit in Europa steigt, auch in Österreich. Berichte zeigen: Konsum und Probleme rund um Kokain nehmen zu – und das Risiko wird oft unterschätzt.
"In den letzten Jahren ist in ganz Europa der Kokainpreis teilweise um bis zu 25 Prozent gefallen - bei gleichzeitig ansteigender Substanzreinheit", erklärt Ewald Lochner, Koordinator für Psychiatrie, Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien im "Heute"-Gespräch. Durch die Preissenkung werde die Droge dann auch für andere Zielgruppen interessant. Lag früher der Preis in Europa für 1 Gramm zwischen 100 bis 115 Euro, sind es jetzt bis zu 75 Euro.
Kokain ist ein starkes, stimulierendes Rauschmittel, das aus den Blättern des Kokastrauchs hergestellt wird. Es wirkt vor allem über den Botenstoff Dopamin und sorgt kurzfristig für Euphorie, Wachheit und Selbstvertrauen – kann aber gleichzeitig Angst, Paranoia, Herzrasen und Aggressivität auslösen.
Um die Drogensituation in einer Stadt oder Region besser einschätzen zu können, gibt es auch ein Monitoring zur Analyse von illegalen Substanzen in Abwässern. Die Daten des Abwassermonitorings 2024 zeigen ebenfalls einen Anstieg von Kokain in Österreich. Jedoch ließe das keinen eindeutigen Rückschluss auf mehr Konsumenten zu, so Lochner. "Es ist schwierig darauf zu reagieren, denn wenn die Reinheit und die Potenz der Substanz steigen, steigt auch die Konzentration im Abwasser. Das lässt dann eben keinen Rückschluss auf die Anzahl der Konsumenten zu."
Wie die Konsumenten zur Substanz kommen, sei von der Zielgruppe abhängig, erklärt Lochner. "Aber man kann sagen, dass sich die Beschaffungswege verändert haben. Es passiert weniger in der Öffentlichkeit. So hat die Straßendealerei im Vergleich zu früher wesentlich abgenommen. Viel passiert über Messengerdienste, Social Media oder übers Darknet via Postversand."
Das Kokain, das in Europa (und damit auch in Österreich) landet, kommt fast vollständig aus Südamerika – vor allem aus Kolumbien, Peru und Bolivien. Die EU-Drogenagentur beschreibt: Kokain wird vor allem per Seeweg (Containerverkehr) und auch per Luftweg nach Europa gebracht – häufig über komplexe Schmuggelketten.
Suchthilfe Wien: 01/4000-53650
Krisentelefon Wien: 01/4000-53799
Drogenberatung kolping: 01/581 53 03
Anton-Proksch-Institut: 01/880 10-1400
Verein p.a.s.s.: Bietet kassenfinanzierte Psychotherapie, Psychiatrie und Sozialberatung: 001/714 92 18; [email protected]
Telefonseelsorge: 142
Interessant: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der sozialen Schicht und der konsumierten Substanz, sagt Lochner. "Was man aber sagen kann, ist, dass Kokain eher eine Freizeitdroge ist und von Personen ab 20 Jahren aufwärts konsumiert wird."
Lochner fasst es zusammen: "Menschen, die punktuell sehr hohen Stress haben und hohe Leistungsfähigkeit bringen müssen, tendieren dazu, Substanzen zu konsumieren." Man verspreche sich davon, leistungsfähiger zu werden und ein Gefühl der Euphorie zu verspüren. Spezielle Berufsgruppen nennt er nicht.
Die Schattenseiten der Drogen werden allerdings zu wenig beachtet. Die Wirkung ist nur von kurzer Dauer, der Drang nachzulegen steigt, so aber auch die Toleranz. Konsumenten brauchen immer mehr von der Droge, um dieselbe Wirkung zu erzielen. Abgesehen von der Suchterkrankung, die im Gehirn passiert, ist eines der Hauptprobleme bei Kokain die Auswirkung auf das Herz-Kreislauf-System – und das schon ab dem ersten Konsum. Die besonders feinen Kapillargefäße, die wir vor allem im Kopf, Herz und Lunge haben, ziehen sich ganz eng zusammen. Das kann zu massiven Problemen führen: Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall. Auch jüngere Menschen können davon betroffen sein.
Das Anton-Proksch-Institut will im kommenden Jahr eine eigene Ambulanz für Kokainkonsumenten einrichten, bei denen kein stationärer Entzug erforderlich ist. In dem Angebot soll es nicht nur um den Konsum selbst gehen, sondern auch um die Ursachen der Abhängigkeit – etwa darum, was das Suchtverhalten auslöst und woher der Wunsch nach mehr Selbstwertgefühl kommt, erklärt Suchtexperte Scheibenbogen. Durch die ambulante Betreuung soll der Einstieg in eine Behandlung deutlich leichter werden.