Immer mehr Menschen greifen zu Kollagenpulvern, Drinks oder Kapseln in der Hoffnung auf glattere Haut und weniger Falten. In sozialen Netzwerken und Werbekampagnen werden die Produkte häufig als "Beauty-Booster von innen" angepriesen. Doch was sagt die Wissenschaft tatsächlich über ihre Wirkung?
Kollagen ist das am häufigsten vorkommende Strukturprotein im menschlichen Körper. Es sorgt dafür, dass das Gewebe stabil und elastisch bleibt und kommt besonders in der Haut, den Knochen, den Sehnen und den Knorpeln vor. Insgesamt macht Kollagen etwa 25 bis 30 Prozent aller körpereigenen Proteine aus.
Mit zunehmendem Alter nimmt die körpereigene Produktion jedoch ab. Schon ab dem frühen Erwachsenenalter sinkt sie jährlich um rund ein Prozent. Besonders deutlich zeigt sich dieser Effekt bei Frauen nach den Wechseljahren: In den ersten fünf Jahren danach kann die Haut bis zu 30 Prozent ihres Kollagens verlieren. Die Folgen sind typische Zeichen der Hautalterung wie nachlassende Elastizität, Trockenheit und Faltenbildung.
In den letzten Jahren haben sich mehrere wissenschaftliche Studien mit Kollagen-Supplements beschäftigt. Eine Auswertung verschiedener klinischer Studien zeigt: Die Einnahme von Kollagenpeptiden kann mit einer verbesserten Hautelastizität und höherer Hautfeuchtigkeit zusammenhängen. Beide Effekte gelten laut Analyse als relativ gut belegt.
So zeigte die Meta-Analyse von 26 randomisierten Studien mit über 1700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des internationalen Teams um Lee Smith und Roshan Ravindran, dass Kollagenpräparate die Hauthydration messbar erhöhen können. Auch die Elastizität der Haut verbesserte sich in mehreren Untersuchungen.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Wirkung scheint von der Dauer der Einnahme abzuhängen. Viele Studien beobachteten Veränderungen erst nach mehreren Wochen oder Monaten regelmäßiger Einnahme. Die Studie wurde im Fachjournal "Aesthetic Surgery Journal Open Forum" veröffentlicht.
Trotz dieser Ergebnisse sehen die Forschenden jedoch auch klare Grenzen. Während Elastizität und Feuchtigkeit messbar zunehmen können, zeigten Untersuchungen kaum signifikante Veränderungen an der Hautoberfläche selbst – etwa bei Rauheit oder sichtbarer Struktur.
Das bedeutet: Kollagenpräparate können möglicherweise bestimmte Hautparameter verbessern, sind aber kein Wundermittel gegen Falten.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Qualität der verschiedenen Studien. Die Fachleute weisen darauf hin, dass viele Untersuchungen relativ klein angelegt waren, nur über kurze Zeiträume liefen und teilweise von der Supplement-Industrie finanziert wurden. Daher gilt der wissenschaftliche Konsens zur tatsächlichen Wirkung noch als begrenzt.