Im Korruptionsprozess gegen Israels Premier Benjamin Netanjahu zeichnet sich vorerst keine Begnadigung ab. Stattdessen setzt Staatspräsident Yitzhak Herzog auf eine Lösung außerhalb des Gerichtssaals.
Ein Sprecher des Präsidenten bestätigte entsprechende Berichte der "New York Times". Demnach habe Herzog entschieden, Netanjahu aktuell keine Begnadigung zu gewähren und stattdessen eine außergerichtliche Einigung anzustreben. Der Präsident habe mehrfach betont, dass eine Verständigung zwischen den Parteien eine "angemessene und sachgerechte Lösung" wäre.
Weiter heißt es aus dem Präsidialamt, Herzog sei überzeugt, "dass vor der eigentlichen Behandlung des Gnadengesuchs zunächst alle Bemühungen ausgeschöpft werden sollten, eine Einigung zwischen den Parteien außerhalb des Gerichtssaals zu erzielen".
Netanjahu selbst lehnt einen solchen Schritt bislang ab und weist alle Vorwürfe zurück. Der Regierungschef hatte im November des Vorjahres ein Gnadengesuch eingebracht und dies unter anderem mit den starken politischen Spannungen rund um das Verfahren begründet.
Der Prozess gegen den Premier läuft bereits seit sechs Jahren. Ihm werden Betrug, Untreue und Bestechlichkeit vorgeworfen. Laut dem Nachrichtenportal "ynet" habe Herzog mit seinem Vorgehen den Entscheidungsprozess rund um eine mögliche Begnadigung vorerst "eingefroren".
Auch international sorgt der Fall für Aufmerksamkeit: US-Präsident Donald Trump hatte Herzog wiederholt aufgefordert, Netanjahu zu begnadigen – und dabei auch persönliche Angriffe gegen ihn gerichtet.