Die Distanz war schon vor der Rede spürbar: Als "sehr geehrter Herr Bundeskanzler" begrüßte CDA-Chef Dennis Radtke den Kanzler Friedrich Merz bei der Tagung des CDU-Sozialflügels in Marburg. Normalerweise wird der "liebe Friedrich" auf Parteiveranstaltungen geduzt - nicht so beim Arbeitnehmerflügel der CDU.
Merz versuchte in seiner Rede, die Wogen zu glätten: Mit ihm werde es keine Rentenkürzungen geben, versprach er. Die gesetzliche Rente solle als "Basis" in einem "Gesamtversorgungsniveau" auf drei Säulen erhalten bleiben - zusammen mit Betriebsrenten und privater Vorsorge.
Doch wie n-tv.de berichtet, kam Radtkes Kritik nicht nur inhaltlich, sondern vor allem handwerklich daher: "Die Frage: Wie kommuniziere ich das? Das ist und bleibt für mich einfach ein Dreh- und Angelpunkt." Die Kommunikation sei "genauso wichtig wie die Reform selbst".
Radtke kritisierte, dass die Partei und Regierung "an einigen Stellen unnötig viel Angriffsfläche" geliefert habe. Auch CDA-Gewerkschafterin Anita Reul von Volkswagen schlug in dieselbe Kerbe: "Jetzt hören wir dasselbe aus der Politik und das ist täglich ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten."
Der CDU-Sozialflügel ist zwar mit nur 13 von 208 Abgeordneten ein Leichtgewicht in der Fraktion. In der Wählerschaft sind Arbeitnehmer aber eine große Gruppe - und wer in Umfragen zwei Prozentpunkte hinter der AfD liegt, hat keine Stimmen zu verschenken.