Kraetschmer: "Wollen Stadionsperre vermeiden"

Der Sport wird zur Nebensache, wenn sich Fan-Szenen wie beim 0:3 der Austria gegen Athletic Bilbao abspielen. AG-Vorstand Markus Kraetschmer kommentiert die Ausschreitungen mit kritischen Worten, bittet aber auch um Verständnis.

"Für solche Fan-Aktionen kann man kein Verständnis haben. Das gehört nicht auf den Fußballplatz. Wenn man weiß, was mit unseren Fans in Bilbao passiert ist, dann ist das eine kleine Entschuldigung. Zudem war es im fünften Spiel die vierte schwere Fehlentscheidung gegen uns", sagt Joachim Standfest nach einem Match im Horr-Stadion, wie man es schon lange nicht mehr gesehen hat.

"So etwas habe ich in meiner Karriere noch nie erlebt", sagt auch Szabolcs Safar. Die Ereignisse im Zeitraffer: 0:3 gegen Bilbao, das endgültige Aus in der Europa League, Spielunterbrechung wegen Bengalen zur Pause, zwei Tore, die nicht zählen hätten dürfen, ein Schiedsrichter, der der Aufgabe nicht gewachsen ist und emotional aufgebrachte Fans, die für einen Beinahe-Spielabbruch sorgen.

Austria AG-Vorstand Markus Kraetschmer: "Die Enttäuschung über die Niederlage ist sehr groß. Ich bin aber froh, dass wir das Match zu Ende spielen konnten. Dass Leute am Spielfeld waren und Gegenstände auf den Rasen geworfen wurden, darf nicht entschuldigt werden. Gerade heute muss man aber festhalten, dass das Schiedsrichter-Team durch klare Fehlentscheidungen zu den Ereignissen beigetragen hat. Die lange Diskussion mit UEFA-Offiziellen nach dem 0:2 hat die Frustausbrüche unterstützt und die Stimmung zum Kippen gebracht."

"Ich war bei den Fans am Feld. Da hat man den Frust und die Enttäuschung über die Fehlentscheidungen klar gesehen. Manche hatten Tränen in den Augen. Das muss man versuchen zu verstehen. Für viele Fans ist die Austria ihr Leben. Kein Fan wollte einem Austria- oder Bilbao-Spieler etwas Böses. Ich will - wie gesagt - nichts entschuldigen, aber bitte um Verständnis für den Frust bei so vielen Fehlentscheidungen."

Welche Konsequenzen drohen der Austria jetzt?

"Es wird ein langes UEFA-Verfahren und eine empfindliche Geldstrafe geben. Ich werde aber alles dafür tun, um eine Stadionsperre zu vermeiden. Wir werden die Berichte der Offiziellen, die Fotos und Videos genau analysieren und hoffen auf ein faires Verfahren. Wir haben 95 Prozent tolle Spiele mit tollen Erlebnissen. Wir brauchen diesen Heimvorteil."

Ist eine Platzsperre realistisch?

"Die UEFA ist bei diesen Dingen sehr rigoros. Das wissen wir. Im schlimmsten Fall droht die Platzsperre oder ein Spiel ohne Zuschauer und das brächte uns - abgesehen von der Geldstrafe - zusätzlich 200.000 bis 250.000 Euro Verlust. Deshalb war es umso wichtiger, dass das Match zu Ende gespielt wurde. Die gegnerische Mannschaft war nie in Gefahr. Wir haben den Frustausbruch letztlich in Ordnung gebracht."

Ist das nicht eine Verharmlosung, wenn in einem Europacup-Spiel Fans das Spielfeld betreten können?

"Der Ordnerdienst war ja da. Das Pikante an den Vorfällen heute ist, dass wir letztlich als Veranstalter alles richtig gemacht haben. Die Tür, durch die die Fans aufs Feld kamen, muss offen sein, weil das die Sicherheitsbestimmungen der Polizei und der Veranstaltungsbehörde vorschreiben. Ich sage noch einmal: Ich will nichts verharmlosen. Man sollte es sich jetzt aber auch nicht so leicht machen und nur der Austria die Schuld geben."

Wem dann?

"Man muss analysieren, wie es zu den Vorfällen heute gekommen ist. Wenn die ganze Tribüne sieht, dass das erste Tor klar Abseits ist, frage ich mich, wohin schaut der Linienrichter, der genau daneben steht? Nach dem zweiten Tor hat sich der Schiedsrichter nicht professionell verhalten. Er hat sich sehr viel Zeit gelassen, um sich nach ersten Wurfgegenständen mit dem vierten Offiziellen zu beraten. Er hat sogar den UEFA-Delegierten aufs Feld kommen lassen, anstatt das Match fortzusetzen."

Markus Kraetschmer rechtfertigt sich auf Seite 2 weiter! Er spricht über Vorfälle in Bilbao, Verbalattacken und das gescheiterte Schiedsrichter-Team. Jetzt umblättern!

Schon beim Hinspiel in Bilbao war nicht alles in Ordnung. Hat das eine Rolle gespielt, wollten die Fans Rache?

"Ich hoffe in erster Linie auf die kritische Selbstanalyse der UEFA. Denn es ist für die Austria um viel gegangen. Bei allen Fehlentscheidungen muss man im Hinterkopf haben, um wie viel Geld es neben dem sportlichen Aspekt geht. In Bilbao wurden unsere Fans vom Oberrang mit Flaschen beworfen. Das haben die Fans nicht vergessen."

Die Verbalattacken gegen Bilbao waren heute aber nicht alle in Ordnung...

"Die Verbalattacken sind das eine. Die tun - hart gesprochen - niemandem weh. Wenn der Schiedsrichter nach dem 2:0 schneller weitergespielt hätte, wäre es vermutlich bei den Verbalattacken geblieben."

Wenn man die Austria-Spiele genau betrachtet, ist der UEFA-Versuch mit zwei zusätzlichen Assistenten kläglich gescheitert.

"Mir kann keiner vernünftig erklären, was die zusätzlichen Torrichter bringen sollen. Sie werden wahrscheinlich auch nicht bei der Weltmeisterschaft zum Einsatz kommen. Heute können sie aber fast am wenigsten dafür. Man muss beim Schiedsrichter und seinen Assistenten an der Linie hinterfragen, ob sie so einem Match gewachsen waren."

Was wurde auf dem Spielfeld mit den Fans besprochen?

"Wir haben ein gewisses Grundverständnis geäußert und sie so zur Rückkehr auf die Tribüne bewegt. Es herrschte große Enttäuschung und Frust. Der Grundtenor war: 'Wie lange wollen wir uns das noch gefallen lassen? Wir werden betrogen!' Ich habe dann erklärt, dass die Aktion trotzdem nur dem Klub schadet. Sonst niemandem."

War der Schiedsrichter eventuell schon durch die Unterbrechung nach der Pause genervt, als Bengalen gezündet wurden?

"Wenn ein Schiedsrichter auf diesem Niveau pfeifen will, muss er dem gewachsen sein. Mir würden einige Schiedsrichter einfallen, die das Match anders geleitet hätten. Diese Kritik muss man offen aussprechen. Der Schiedsrichter hat mit seinem Verhalten seinen Beitrag geleistet."

Ich glaube aber nicht, dass diese Kritik bei der UEFA auf offene Ohren stoßen wird. Bisher wurden die Schiedsrichter immer verteidigt.

"Das weiß ich nicht. Ich will einfach nur ein faires Verfahren auf Basis des Videobeweises und dem Bericht des UEFA-Delegierten. Ich will die Stadion-Sperre verhindern. Uns entstehen jetzt ohnehin genug Kosten."

Kann die Austria im schlimmsten Fall aus den UEFA-Bewerben für die kommende Saison ausgeschlossen werden?

"Ich brauche über die Bengalen und die Wurfgegenstände nicht diskutieren. Dafür, und für die Fans am Feld müssen wir zahlen. Wir haben aber viel Geld in die Infrastruktur und eine neue Tribüne gesteckt und trotzdem passiert so etwas. Deshalb werden wir wieder daraus lernen. Ich habe keine Angst, von der UEFA ausgeschlossen zu werden, weil das Match nicht abgebrochen, sondern nur unterbrochen war."

sportnet.at

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