Die Stallduelle, die teilweise am Rande der Sportlichkeit geführt wurden, waren nach dem Sieg von Sebastian Vettel am Sonntag im Grand Prix von Malaysia das Gesprächsthema Nummer eins. Finstere Mienen gab es bei Red Bull und Mercedes nach dem Rennen, obwohl man die ersten vier Plätze belegte. Vettel entschuldigte sich nach dem Grand Prix dafür, dass er Teamkollege Webber überholt hatte, dieser ist nach wie vor sauer.
das Gesprächsthema Nummer eins. Finstere Mienen gab es bei Red Bull und Mercedes nach dem Rennen, obwohl man die ersten vier Plätze belegte. Vettel entschuldigte sich nach dem Grand Prix dafür, dass er Teamkollege Webber überholt hatte, dieser ist nach wie vor sauer.
Stallduell 1: Vettel gegen Webber
Ein Risiko-Boxenstopp von Vettel läutete die Stallfehde ein. Der Weltmeister kam als Erster in die Box, um von den Intermediates auf Trockenreifen zu wechseln. Dadurch verlor der Deutsche die Führung, weil die Strecke noch zu nass war und er beim Herumrutschen viel Zeit verlor. Webbers erster Stopp war hingegen optimal getimt, so übernahm der Australier die Führung.
Vettel bewies Kampfgeist und schloss die Lücke zu seinem Teamkollegen. Als er mehrere Runden keinen Weg vorbeifand ließ er einen nicht gerade freundlichen Funkspruch an die Box los: "Mark ist zu langsam, räumt ihn aus dem Weg!" Die Angelegenheit erledigte sich vorläufig von selbst, da die Boxencrew den nächsten Reifenwechsel des Weltmeisters verhaute, wodurch er erneut zurückfiel.
"Ich muss gestehen, dass es außer Kontrolle geriet"
Als Webber von seinem letzten Boxenstopp zurück auf die Strecke kam, entfachte sich das Duell in einen Kampf mit Messern zwischen den Zähnen. Über die folgende Runde lieferten sich die beiden ein Rad-an-Rad-Duell um Biegen und Brechen. "Ich muss gestehen, dass es außer Kontrolle geriet", räumte Red Bulls Motorsportkonsulent Dr. Helmut Marko nach dem Rennen ein.
Das Team hatte die beiden Piloten nämlich angewiesen, ihre Positionen zu halten und den Doppelsieg sicher ins Ziel zu bringen. Es folgte die Aktion des Rennens. Vettel saugte sich auf der Start-Ziel-Gerade im Windschatten an Webber heran und setzte zum Überholen an. Der Australier hielt dagegen und drückte den Deutschen fast gegen die Boxenmauer. Ein paar Kurven später gelang es Vettel dann doch, Webber zu überholen und den Sieg heimzufahren.
"Sebastian hat sein Interesse über das des Teams gestellt"
Auf dem Siegespodest würdigten sich die beiden keines Blickes. "Letztlich traf Seb heute seine eigenen Entscheidungen und erhielt dafür wie üblich Unterstützung", ärgerte sich Webber. Teamchef Christian Horner fand Vettels Verhalten ebenfalls nicht in Ordnung: "Da war der Wunsch des Fahrers größer als der Teamgeist. Sebastian hat sein Interesse über das des Teams gestellt. Zum Glück endete es nicht wie damals in der Türkei." Zu gut ist die Stallkollision der beiden 2010 in Erinnerung geblieben.
Vettel meinte nach dem Rennen kleinlaut: "Ich habe einen Fehler gemacht und möchte mich entschuldigen. Ich sehe, Mark ist sauer. Er wollte das Auto und die Reifen schonen, ich hätte meinen Platz halten sollen." Webber nahm die Entschuldigung nicht an: "Wenn es heißt, wir sollen die Autos sicher ins Ziel bringen, dann fällt es Seb schwer, das einfach so hinzunehmen." Eine Aussprache der beiden soll bis zum nächsten Rennen in China erfolgen.
Auf der nächsten Seite lesen Sie alles zum Stallduell bei Mercedes...Stallduell 2: Hamilton gegen Rosberg
Die Experten sind sich nach dem Rennen einig. Offenbar genießt Lewis Hamilton bei Mercedes den Status des "Nummer-eins-Piloten". Indiz dafür war das Ende des Rennens. Hamilton musste Sprit sparen, Rosberg lief auf den Stallrivalen auf. Als der Deutsche fragte, ob er den Briten überholen dürfe, bekam er von Teamchef Ross Brawn als Antwort, dass er auf Platz vier bleiben solle.
Lauda kritisiert eigenen Teamchef
"Ich denke, dass es sportlicher Sicht falsch war", kritisierte Mercedes-Aufsichtsratchef Niki Lauda. Aus gutem Grund: Rosberg hätte, wenn man ihn vorbeigelassen hätte, vielleicht noch Webber abfangen können. "Wir müssen mit dem Ross reden, ob diese Politik in Zukunft immer angewandt wird, oder ob man nach Mercedes-Art den schnelleren Fahrer aus sportlicher Sicht gewinnen lassen kann. Das ist der springende Punkt."
Als sich Brawn bei Rosberg nach dem Rennen via Funk bedankte, schnauzte dieser zurück: "Das werde ich mir merken." Als die Emotionen ein wenig abgekühlt waren, erklärte der Deutsche: "Für mich ist es schade, denn es wäre am Ende viel mehr drin gewesen. Wenn es in Zukunft mal andersherum ist, dann weiß ich, dass es wieder so gehandhabt wird. So gesehen ist es okay."
Hamilton peinlich berührt
Hamilton war über die Teamentscheidung nicht sonderlich glücklich. "Das Team hat einen tollen Job gemacht. Eigentlich müsste Nico an meiner Stelle stehen, denn er hatte das bessere Tempo. Er ist wirklich ein toller Teamkollege. Ich kann nicht behaupten, dass ich mit dem besten Gefühl hier oben stehe."
Dabei hatte sich der Brite einen lustigen Fehler erlaubt. Beim ersten Reifenwechsel steuerte er versehentlich die Box seines ehemaligen Rennstalls McLaren an. "Ich habe es wie Jenson gemacht, dem das vor ein paar Jahren genauso passiert ist. Ich bin so viele Jahre zu McLaren zum Boxenstopp gefahren. Ich weiß nicht genau, warum mir das passiert ist. Entschuldigung an mein Team."