Schon im März überfiel ein 40-jähriger Mann aus Montenegro ein Geschäft für seltene Sammelkarten in Wien-Ottakring. Der Verdächtige täuschte Interesse an hochpreisigen "Magic"-Karten vor, dann griff er den Angestellten mit Pfefferspray an, wollte mit Sammelkarten im Wert von 76.000 Euro flüchten – wir berichteten.
Shop-Mitarbeiter verfolgten den Verdächtigen, die alarmierten Beamten konnten den Bauarbeiter festnehmen. Nun stand er vor Gericht in Wien, dabei erklärte er nur wegen der teuren Sammelkarte vom Balkan nach Wien gekommen zu sein.
Die Richterin fragte daraufhin: "In anderen Worten: Sie sind nach Österreich gekommen, um diesen Raub zu begehen?" Der Angeklagte bejahte dies knapp und sagte anschließend: "Ich werde nie wieder hierherkommen!" Laut Staatsanwaltschaft ein klassischer Fall von Kriminaltourismus.
Vor Gericht zeigte sich der zweifache Vater einsichtig. "Ich bereue es sehr, ich habe mein Leben und das meiner Familie zerstört", so der bisher unbescholtene Bauarbeiter. Laut seinem Anwalt hatte es der Angeklagte auf eine besonders seltene und unter Sammlern begehrte Karte abgesehen. Geldprobleme hätten ihn zu der Tat getrieben. Zwei Pfefferspraydosen wurden vor Ort sichergestellt. Der leicht verletzte Mitarbeiter wurde von Sanitätern versorgt.
Der Schöffensenat sprach den Angeklagten neben versuchtem schwerem Raub auch wegen Körperverletzung schuldig. Der Mann wurde rechtskräftig zu drei Jahren teilbedingter Haft verurteilt. Ein Jahr davon muss er unbedingt absitzen.