Zaun aufstellen, reparieren und versetzen – das ist auf steilen Almen oft ein Knochenjob. Wandfluh, selbst Bauer, meint: "Das kostet Zeit, Kraft und Geld – alles Ressourcen, die am Hof immer knapp sind." Deshalb fordert er vom Bundesrat, diese neue Technologie zu erlauben. Wie "20 Minuten" berichtet, könnte das den Alltag vieler Landwirte erleichtern.
Allerdings ist die Technik in der Schweiz – anders als etwa in Norwegen, Schweden oder Großbritannien – noch verboten. Grund dafür sind Bedenken beim Tierschutz. Doch im Rahmen eines Agroscope-Projekts wurde das System zwischen 2021 und 2023 ausgiebig getestet. Das Ergebnis: Die Forscherinnen und Forscher bescheinigen den virtuellen Zäunen eine positive Wirkung.
Die Tiere bekommen ein GPS-Halsband umgelegt, das per Mobilfunk mit einer App verbunden ist. Die Bauern können damit die Weidegrenzen digital festlegen. Kommt eine Kuh zu nahe an die Grenze, ertönt ein Warnton. Geht sie weiter, spürt sie einen leichten Stromstoß. Überschreitet sie alle drei Warnzonen, werden die Reize abgeschaltet und der Besitzer bekommt eine Benachrichtigung aufs Handy. Über GPS kann er jederzeit sehen, wo sich die Kuh befindet.
Bei den bisherigen Tests – sowohl im Tal als auch am Berg – gab es keinen einzigen Ausbruch. Die Kühe lernten schon nach durchschnittlich acht Stromreizen, an der virtuellen Grenze stehen zu bleiben. Laut Agroscope gab es bei Stresshormonen, Fressverhalten und Milchleistung keine Unterschiede zu normalen Zäunen. Der Stromimpuls ist etwa 25-mal schwächer als bei einem klassischen Elektrozaun.
Die Interpellation von Wandfluh ist zwar noch nicht beantwortet, doch im Bundeshaus gibt es schon breite Unterstützung, wie Nachfragen von 20 Minuten zeigen. Grünen-Nationalrat und Biobauer Kilian Baumann sagt: "Ich habe keine Bedenken bezüglich Tierwohl", und verweist auf die positiven Studienergebnisse. Auch der Bauernverband spricht sich für die virtuelle Lösung aus, sofern keine Tierschutzprobleme auftreten.
Auch die Mitte-Partei ist für eine Lockerung. Parteichef Philipp Matthias Bregy erklärt: "Ich begrüße Innovationen in der Landwirtschaft." Die virtuellen Zäune würden die Arbeit erleichtern und könnten auch dort eingesetzt werden, wo klassische Zäune nicht möglich sind.
SP-Nationalrätin Ursula Zybach zeigt sich zwar offen für die neue Technik, stellt aber Bedingungen: Die Lösung müsse auch für Wildtiere verträglich sein, Wanderer müssten wissen, wie sie sich verhalten sollen, wenn keine sichtbaren Zäune da sind, und die Sicherheit der Tiere – etwa bei Absturzgefahr – müsse gewährleistet sein.