Gekündigt im Krankenstand

Kinder, Krankheit: Frau fand nach 20 Jahren neuen Job

Rund 20 Jahre kämpfte die Wienerin um einen Platz im Arbeitsleben. Heute hat sie ihn wieder gefunden – in einer Schulkantine in Floridsdorf.
Hannah  Maier
05.02.2026, 07:00
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In der Küche klappern die Teller, die Jausenboxen für die Kinder stehen bereit. Sabine N. wirkt ruhig und angekommen. Kaum jemand würde ahnen, welchen Weg die heute 54-Jährige hinter sich hat. Rund 20 Jahre lang kämpfte die Wienerin, um wieder am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Kündigung im Krankenstand

Nach Jahren im Verkauf und als Heimhilfe stand sie nach der Geburt ihres Sohnes erneut vor dem Einstieg ins Berufsleben. Vorher hatte Sabine noch versucht, im Handel Fuß zu fassen. Sie arbeitete wieder im Verkauf, sogar am Würstelstand. Doch dann wurde sie krank: Lungenentzündung, Krankenstand – und plötzlich lag er im Postfach: der Kündigungsbrief. "Ich war fassungslos", erzählt sie.

Schwerer Schicksalsschlag

"Ich wollte wieder arbeiten", sagt sie rückblickend. Doch Sabine wurde ein zweites Mal schwanger, ging erneut in Karenz. Dann folgte ein schwerer Schicksalsschlag: Nach der Geburt ihrer Tochter starb ihr Mann. Sabine stand allein da – mit zwei kleinen Kindern, ohne familiären Rückhalt. "Eventuell wäre ich wieder in den Handel gegangen. Doch mit den Arbeitszeiten war das unmöglich. Ohne Eltern, ohne Mann, ohne Betreuung – das ging einfach nicht", sagt die Alleinerzieherin offen.

Von Montag bis Freitag sorgt Sabine dafür, dass die Kinder am Campus gut versorgt sind.
Sabine Hertel

Der lange Weg zurück

Jahre vergingen. Sabine war zu Hause, versuchte irgendwie, den Alltag zu stemmen. Der Arbeitsmarkt rückte immer weiter weg. Über das AMS kam sie zur Caritas, schlichtete Waren. Dann startete sie als Trainee bei der Caterei, Mitglied bei "arbeit plus" Wien. Seit 25 Jahren unterstützen der Dachverband für Soziale Unternehmen und seine Mitglieder mit mehr als 60 Projekten Menschen in Wien beim Einstieg in den Arbeitsmarkt.

Anfangs war alles neu, vieles überfordernd. "Der erste Tag war schlimm", erinnert sich Sabine. Doch dann merkten die Kollegen schnell, wo ihr Talent liegt. Besonders beim Herrichten von Brötchen blühte sie auf. "Das hat mir einfach gelegen", sagt Sabine.

Neustart in der Schulkantine

Sabine ist schwerhörig. Der Grad ihrer Behinderung konnte schließlich mit 60 Prozent amtlich festgestellt werden. Somit hatte sie Zugang zu Arbeitsplätzen speziell für Menschen mit Behinderungen. Zeitgleich baute der integrative Betrieb "wienwork" einen neuen Schulkantinenstandort in der Bildungseinrichtung Willi Resetarits (Wien-Floridsdorf) auf und suchte Personal.

Die Wienerin nutzte die Chance. Seit mittlerweile eineinhalb Jahren ist sie Teil des Teams. Sie bereitet Jausenboxen vor, wärmt das Essen für Kindergartenkinder, Volks- und Mittelschüler auf und sorgt dafür, dass alles reibungslos läuft. Heute ist Sabine sogar stellvertretende Leiterin ihres Bereichs. "Die Arbeit gefällt mir sehr. Ich habe wieder meinen Platz gefunden", sagt sie. Den Handel vermisst Sabine kein bisschen.

Über "wienwork"

"wienwork" ist ein gemeinnütziges Unternehmen und bietet Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung in privatwirtschaftlichen Unternehmen keinen Arbeitsplatz finden, einen (Wieder-)Einstieg ins Berufsleben oder in eine Lehrstelle. Derzeit arbeiten bei "wienwork" mehr als 800 Menschen, davon 180 Lehrlinge.

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70 Prozent der erwachsenen Mitarbeiter haben eine Behinderung oder waren langzeitarbeitslos. Alle Lehrlinge haben Lernschwächen und werden überbetrieblich ausgebildet. In Wien ist das Unternehmen mit seinen Dienstleistungen, Projekten und Geschäftsfeldern an zahlreichen Standorten vertreten.

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