Der furchtbare Mordfall in der Luxus-Seniorenresidenz in Wien-Döbling sorgt für Schaudern. Beim gefassten Verdächtigen Yilmaz C. (61) handelt es sich – wir berichteten – um einen berüchtigten Betrüger, der bereits achtfach vorbestraft ist und Jahre im Häf’n verbrachte. Bei seinen bisherigen Taten ging der offenbar Spielsüchtige auf der Suche nach schnellem Geld stets nach demselben Muster vor.
Das erste Mal habe er laut Ermittlungsergebnissen im Jahr 2010 zugeschlagen, soll seine damalige Freundin um 27.000 Euro erleichtert haben und sich zeitgleich ihrer betagten Großmutter im besagten Seniorenheim angenähert, ihr dann die gesamten Golddukaten abgeknöpft haben. Dafür verbüßte der Verdächtige eine Haftstrafe. Bereits auf Freigängen aus dem Gefängnis fing er an, sich erneut in jenes Luxus-Heim in Döbling zu schleichen. 2016 lernte er dort eine ältere Bewohnerin kennen, der er sich unter falschem Namen annäherte und ihr jahrelang eine Beziehung vorgaukelte.
"Er sagte mir, dass seine Mutter im Spital liegt und er Geld fürs Krankenhaus benötigt. Dann sagte er, seine Mutter sei gestorben und er braucht Geld für die Begräbniskosten. Er hat immer nur verlangt, da war großer Druck", gab das arme Opfer zu Protokoll. Mit immer neuen Ausreden – Autoreparaturen, angebliche Anwalts- und Notarkosten, Mietrückstände, eingefrorene Konten – brachte er sie dazu, ihm laufend Geld zu geben – insgesamt 180.240 Euro.
Weil die Dame am Ende ihre Miete nicht mehr zahlen konnte, musste sie aus dem Premium-Altenheim ausziehen. "Ich habe alles verloren. Ohne meine Familie wäre ich auf der Straße gesessen", schluchzte sie. Doch auch nach einer erneuten langjährigen Haftstrafe ging der Türke nach seiner Entlassung nicht etwa einer Arbeit nach, sondern begab sich erneut auf Frauensuche.
In einem Tanzlokal in NÖ traf er vor wenigen Monaten "zufällig" eine alte Bekannte. Wie bereits bei allen anderen Opfern, gab er sich zuerst charmant und lieh der Tanzpartnerin ein Ohr, zeigte sich hilfsbereit. Nachdem er die 59-Jährige mit Blumen bezirzt hatte, fragte er recht unverblümt um Geld – mit den üblichen Ausreden. Er versprach jedoch, das "geborgte" Bargeld zurückzuzahlen – das sollte ihm noch zum Verhängnis werden.
Denn Ermittler fanden in seiner Jacke eine Überweisungsbestätigung in der Höhe von 500 Euro, die am Tag nach der Bluttat getätigt wurde. Zur Erinnerung: Rund 800 Euro wurden aus dem Safe der Seniorin entwendet. Für die Verteidigerinnen Astrid Wagner und Ina-Christin Stiglitz sind die von Ermittlern akribisch zusammengetragenen Indizien längst kein Beweis. "Ich bin unschuldig", behauptete auch der Verdächtige felsenfest, will mit dem Mord nichts zu tun haben. Die DNA-Auswertungen zahlreicher Spuren stehen noch aus. Es gilt die Unschuldsvermutung.