Fast genau drei Wochen nach der Eröffnung des nun um 3,5 Grad nach rechts geneigten Lueger-Denkmals am Stubenring (City) gab es nun den ersten Eklat. Der jüdische Künstler Alon Ishay wurde nach einer Kunstaktion angezeigt, später beschimpft, bespuckt und körperlich angegriffen.
Wie der "Standard" als Erstes berichtete, fand die Aktion im Rahmen eines Festivals der Universität für angewandte Kunst statt. Alon Ishay gestaltete das umstrittene Karl-Lueger-Denkmal mit wasserlöslicher Sprühkreide und Stickern um. Auf den Boden wurden Fußabdrücke gesprüht, auf dem Denkmal Sticker mit der Aufschrift "Schande" angebracht.
Kurz nach Beginn der Aktion rückten mehrere Polizeifahrzeuge mit Blaulicht an. Rund 15 bis 20 Beamte beendeten die Aktion. Gegen Ishay wurde Anzeige wegen des Verdachts der Störung der öffentlichen Ordnung erstattet. Außerdem wurde eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der schweren Sachbeschädigung übermittelt. Laut Polizei könnte den Beteiligten auch der Einsatz in Rechnung gestellt werden.
Mehrere Anwesende berichteten, die Beamten hätten den jüdischen Künstler aufgefordert, das Denkmal zu reinigen. Ein Polizeisprecher erklärte dazu, ihm lägen dazu keine Informationen vor. Ishay lehnte eine Reinigung ab. "Es wurde ausschließlich wasserlösliche Sprühkreide verwendet und Sticker, die sich sogar durch den Wind ablösten", erklärt er.
Kurz nachdem die Polizei den Platz verlassen hatte, wurde Ishay laut Bericht von Passanten antisemitisch angegriffen. Nachdem er auf die Frage nach seiner Herkunft geantwortet hatte, Jude zu sein, sei ihm entgegnet worden, man sehe ihm das an und nicht das Denkmal, sondern er selbst sei "eine Schande für Österreich".
Ein weiterer Passant habe daraufhin die Teilnehmer als "Scheiß Juden" und "Judenschweine" beschimpft, "Hitler war ein Idol" gerufen sowie mehrfach auf Personen gespuckt, die einschreiten wollten. Ishay zeigte sich nach den Vorfällen erschüttert.
"Zuerst bekomme ich als jüdischer Student zwei Anzeigen, weil ich mich künstlerisch gegen ein antisemitisches Ehrenmal engagiere. Kurz darauf werde ich antisemitisch beleidigt und dann noch von einem Passanten währenddessen als Judenschwein beschimpft und angespuckt. Das ist natürlich einschneidend, aber leider auch erwartbar."
Für ihn bestätigten die Ereignisse seine Kritik am Umgang mit dem Denkmal, er fordert eine Entfernung des Denkmals. "Nach wie vor ist dieser Platz kein Lern- und Dialogort gegen Antisemitismus. 3,5 Grad ändern daran nichts. Dieses Ehrenmal trägt antisemitische Kontinuitäten weiter."
Das Karl-Lueger-Denkmal zählt seit Jahren zu den umstrittensten Denkmälern Wiens. Karl Lueger war von 1897 bis 1910 Bürgermeister der Stadt und gilt Historikern als einer der wichtigsten Wegbereiter des politischen Antisemitismus in Österreich.
Nach jahrelangen Diskussionen wurde das Denkmal im Juni 2026 im Zuge eines künstlerischen Umgestaltungsprojekts um 3,5 Grad geneigt wieder aufgestellt. Die Schräglage soll zum Nachdenken über die historische Rolle Luegers anregen. Die Enthüllung wurde von einer Protestaktion begleitet. Empörte Studenten der jüdischen Hochschüler:innen pfiffen die Präsentation gnadenlos aus.