Das Denkmal des Antisemiten Karl Lueger erstrahlt frisch renoviert am Stubenring in der Wiener City. Die Statue wurde um 3,5 Grad nach rechts gekippt, ist für die Stadt Wien nun ein Mahnmal. Die sündteure Schiefstellung um 776.000 Euro sei "irreversibel" und ein "universell lesbares Zeichen", heißt es aus der stadteigenen Abteilung KÖR (Kunst im öffentlichen Raum).
Die schiefe Statue sei "nichtssagend", kritisieren hingegen jüdische Studierende. Sie fordern, wie viele andere Gegner des Projekts, den Abriss. Denn zum Verständnis muss man sich schon die Infotafeln von Historiker Oliver Rathkolb zu Gemüte führen. "Die kritische Auseinandersetzung mit der Persönlichkeit Karl Luegers macht deutlich, wie stark die Wurzeln des Nationalsozialismus und Antisemitismus mit den Prägungen im 19. Jahrhundert verbunden sind", erklärte Rathkolb bei der Präsentation.
Im Zuge der Restaurierung wurden die abgeschlagenen Teile der Skulpturen und Reliefs wiederhergestellt und Farb- und Bitumenschichten am Denkmal entfernt. Denn immer wieder kam es in der Vergangenheit zu Schmieraktionen an der Statue. Diese werden wohl auch in Zukunft nicht ausbleiben. Der Bauzaun rund um die Statue ist mittlerweile entfernt, das Denkmal wieder frei zugänglich.
"Es wird keine Videoüberwachung geben, da es nicht möglich ist, alle Denkmäler in Wien zu überwachen", heißt es aus dem KÖR. Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler hatte schon zuvor eine Überwachung durch die Polizei für die Statue ausgeschlossen. Man könne der Gesellschaft vertrauen, so Kaup-Hasler.
Doch Aktivisten haben das Denkmal im Visier. Die Statue wurde sogar in der Werkstatt in Traiskirchen (NÖ) aufgespürt und dort beschädigt. Nun steht sie frisch saniert auf dem Sockel am Karl-Lueger-Platz – wie lange ist unklar.