"Viele können keinen ganzen Satz sagen", klagt eine Lehrerin im Gespräch mit "Heute". Caroline (sie möchte anonym bleiben) ist eine junge, engagierte Pädagogin, die sich mit vollem Einsatz für die Bildung ihrer Schüler einsetzt.
Die 24-Jährige arbeitet an einer sogenannten Brennpunktschule, mehr als die Hälfte ihrer Volksschüler ist in Österreich geboren, "aber kein einziger hat Deutsch als Muttersprache", sagt die Lehrerin.
Caroline ist verantwortlich für 24 Schüler in der dritten Klasse. "In meiner Klasse sprechen drei Viertel der Kinder Arabisch als Muttersprache." Das sei an sich kein Problem, versichert die Lehrerin. "Aber während ich versuche, den Unterricht auf Deutsch zu halten, sprechen sie nur in ihrer Sprache."
Die Deutsch-Fähigkeiten verbessern sich auch deswegen kaum. Schockierendes Beispiel: "Ich unterrichte jetzt eine dritte Klasse und habe sechs Burschen drinnen, die bereits zweimal durchgefallen sind – in der Volksschule!" Die Auswirkungen auf die Klassengemeinschaft sind katastrophal.
Diese etwa zehnjährigen Buben senken das Niveau deutlich, die anderen (sie sind erst acht Jahre alt) leiden massiv. "Sie sollten in der dritten Klasse schon kleine Geschichten schreiben können, ich aber bin froh, wenn sie einzelne Objekte benennen können."
Auf Deutsch schaffen diese Buben, die eigentlich in der Mittelschule sitzen sollten, nur Mini-Sätze: "‘Ich gehe Pause' oder 'Ich spiele Fußball' – mehr nicht." Sie haben, so die Lehrerin, kaum einen Wortschatz, Grammatik ist ihnen fremd. Im nächsten Jahr werden diese Kinder Schularbeiten schreiben müssen, "das werden die nicht schaffen", sagt die Lehrerin.
In dreieinhalb Wochen endet das Schuljahr. In diesen Tagen wird in der Schule entschieden, wie viele dieser Schüler sitzenbleiben werden. Manche könnten zum dritten Mal in der Volksschule durchfallen.