An Wiens Pflichtschulen sind muslimische Kinder mit knapp 39 Prozent inzwischen die größte Glaubensgruppe. Eine vor kurzem veröffentlichte neue Studie zeigt: Viele muslimische Jugendliche in Wien vertreten religiöse und antidemokratische Ansichten.
41 Prozent der muslimischen Jugendlichen stimmen der Aussage zu, dass die Vorschriften ihrer Religion über den Gesetzen in Österreich stehen, berichtete etwa die Tageszeitung "Die Presse". 46 Prozent der muslimischen Befragten meinen außerdem, man müsse bereit sein, "für die Verteidigung seines Glaubens zu kämpfen und zu sterben" – "Heute" berichtete.
Ganz andere Erfahrungen hat die Lehrerin Bettina S. (Name geändert) gemacht. Die langjährige Pädagogin unterrichtet an einer Wiener Mittelschule, ist auch Klassenvorstand. Etwa die Hälfte der Jugendlichen in ihrer Klasse sind muslimisch: "Die Religion spielt nicht die wichtigste Rolle. Entscheidend ist die Herkunft und das Elternhaus bzw. das soziale Umfeld der Kinder", meint sie.
Aus ihrer Erfahrung, "sind nicht die muslimischen Kinder die Schlimmsten. Es gibt auch genug Österreicher, die sich nicht benehmen können und verhaltensauffällig sind. Ich habe zum Beispiel mit vielen muslimischen Kindern eine sehr gute Beziehung."
Bettina S. brennt für ihren Job, dennoch gibt sie zu: "Es ist schwierig, die Klasse zu handeln. Die Verhaltensauffälligkeiten und das Aggressionsverhalten im Zaum zu halten, ist nicht einfach." Körperliche Übergriffe hat die Wienerin noch keine erlebt, verbale gehören zum Alltag dazu: "Die Kinder meinen es nicht so. Sie können ihre Emotionen nicht regulieren und lassen dann so Dampf ab. Oft sind beide Eltern berufstätig, die Kinder zocken daheim und sind in ihrer eigenen Welt und auf sich allein gestellt."
Die engagierte Pädagogin arbeitet auch sehr eng mit den Eltern zusammen: "Ich habe bisher überwiegend gute Erfahrungen gemacht – es ist ja alles zum Wohle des Kindes. Ich arbeite sehr eng mit den Eltern zusammen und habe auch mit muslimischen Vätern kein Problem – sie bringen mir Wertschätzung entgegen."
Für Bettina S. ist klar: "Das Bildungssystem hat versagt, es wurde viel zu lange zugeschaut. Es fehlt an Sprachförderung – auch für Kinder mit Deutsch als Muttersprache. Außerdem brauchen wir Sozialarbeiter und Psychologen, die jeden Tag an der Schule sind und nicht nur ein paar Mal pro Woche."
Zudem seien die Klassen meist zu groß, die Lehrer würden viel zu wenig Unterstützung erhalten: "Wir werden voll allein gelassen, bräuchten mehr Coaching oder Ähnliches. Quereinsteiger werden zum Beispiel einfach ins kalte Wasser geworfen, das kann nicht gutgehen. Es fehlt ihnen einfach an Praxis – damit man weiß, was auf einen zukommt."
Auch die Zahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf wird immer höher: "Bei mir sind es allein fünf in der Klasse. Es gibt Kinder, da wissen wir, dass sie einen Bedarf hätten, aber die Eltern müssten für eine rasche Diagnose privat zahlen, viele können sich das nicht leisten. Also wird keine Diagnose gemacht, obwohl das Kind den Förderbedarf hat."
Hinzu komme die Perspektivlosigkeit vieler Kinder, die Schwierigkeit, eine Lehrstelle zu bekommen und die generelle Aussichtslosigkeit auf die Zukunft: "Wir geben unser Bestes, aber oft können wir den Anforderungen einfach nicht gerecht werden", so das Fazit von Bettina S.