Betroffene immer jünger

Beraterin warnt: "Schon Zehnjährige haben Essstörungen"

Bulimie, Anorexie, Binge-Eating: Betroffene von Essstörungen werden jünger. Auch immer mehr Männer melden sich bei der Hotline für Essstörungen.
Wien Heute
07.06.2026, 13:45
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Eine Mutter, die im Zimmer ihrer Tochter "Speibsackerl" findet, eine Frau, die heimlich versteckte Essensreste ihres Partners entdeckt: "Essstörungen sind ein Krankheitsbild, das sehr vielfältig und komplex ist", erklärt Gabriele H., Beraterin bei der Hotline für Essstörungen in der Wiener Gesundheitsförderung (WiG).

Die kostenlose Hotline bietet als erste Anlaufstelle sowohl Betroffenen selbst, als auch Angehörigen Beratung und Information: "Das Verhältnis der Hilfesuchenden ist etwa 50:50, wobei es eher mehr Betroffene sind. Etwa zwei Drittel der Anrufer sind weiblich, ein Drittel männlich. Auffallend ist, dass sich das Alter bei den Mädchen von 14, 15 Jahren nach unten verschoben hat. Schon Zehn- bis 12-Jährige haben Essstörungen. Und auch, wenn es noch nicht so thematisiert wird, sind immer mehr Männer betroffen", erklärt Gabriele H.

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Zahlreiche Faktoren als Auslöser

Auslöser für Essstörungen können vielfältig sein – sie reichen von traumatischen Erfahrungen, über große (psychische) Belastung bis hin zu großem sozialem und gesellschaftlichem Druck: "Meistens beginnt es mit einem problematischen Essverhalten, das ist ein schleichender Prozess. Kommen soziale Faktoren wie Stress oder Probleme im Freundeskreis bzw. zu Hause sowie individuelle Belastungen, die mit dem Selbstwert zu tun haben, dazu, kann sich schnell ein krankhaftes Muster entwickeln. Das Essen ist ja etwas, das man kontrollieren kann. Das kann sich dann schnell zu einer Essstörung entwickeln."

Der Grat zwischen problematischem Essverhalten und Essstörung ist sehr schmal: "Es geht nicht nur um die Änderung des Essverhaltens, sondern auch um Veränderungen im Wesen der Betroffenen. Bei Jugendlichen erkennt man das oft leichter, weil sich das Sozialverhalten ändert, und sie sich zurückziehen", meint die Körper-Therapeutin, die seit 13 Jahren für die Hotline arbeitet.

"Das Thema ist sehr schambesetzt"

Merken Angehörige etwa, dass etwas nicht stimmt oder, dass sie angelogen werden, sollten sie das direkt ansprechen: "Am besten verpackt in Ich-Botschaften – also etwa 'Ich mache mir Sorgen um dich' oder 'Ich habe das Gefühl, es geht dir nicht gut'."

Für viele Betroffene ist es sehr schwer, die Krankheit anzuerkennen, darüber zu sprechen und sich Hilfe zu suchen: "Jede Geschichte hat ihre eigene Schwere und Komplikation. Zudem ist das Thema sehr schambesetzt, es kostet viel Überwindung. In einem ersten Schritt geht es darum, die Betroffenen zum Reden zu bringen, sie individuell zu stabilisieren und ihnen Hilfe anzubieten. Wir machen eine erste Beratung und vermitteln Kontakte zu Experten. Je früher man die Krankheit einsieht, desto leichter ist es auch, sie zu bewältigen", erklärt Gabriele H.

Hotline für Essstörungen

Telefon: 0800 – 20 11 20

Erreichbarkeit: Montag bis Donnerstag 12 bis 17 Uhr (werktags)

E-Mail[email protected] e

Starker Einfluss der sozialen Medien

Neben Anorexie (Magersucht), Bulimie (Ess-Brech-Sucht) und Binge-Eating (unkontrollierbare Essanfälle) taucht derzeit auch immer wieder das Krankheitsbild ARFID ("Avoidant/Restrictive Food Intake Disorder") auf. Bei dieser Essstörung wird die Nahrungsaufnahme stark eingeschränkt, da bestimmte Lebensmittel aufgrund ihrer Konsistenz, ihres Geruchs, Geschmacks oder aus Angst vor dem Verschlucken vermieden oder abgelehnt werden.

Insgesamt seien Essstörungen allgemein bekannter, durch die sozialen Medien aber auch weiter verbreitet worden: "Früher gab es Werbungen und Magazine, heute hat sich alles in die sozialen Medien verlagert. Vor allem Jugendliche werden durch die permanenten Bilder zu den Themen Körper und Essen sehr stark beeinflusst", so Gabriele H.

{title && {title} } red, {title && {title} } 07.06.2026, 13:45
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