Es sollte nur eine kleine Überraschung für ihre Tochter werden. Simone C. bestellte online bunte Ohrringe in Form von Flipflops – sie sollten zum Schulende übergeben werden.
C. fand das Präsent in einem britischen Web-Shop. Der Preis: 6 Pfund, umgerechnet 6,91 Euro (exklusive Versandkosten von 5,60 Euro), "auch wenn ich strikt gegen Geschenke zum Zeugnis bin, wollte ich meiner Tochter zum Abschluss der ersten vier Schuljahre etwas kleines überreichen."
Das Paket kam an, Simone C. holte es von der Post ab. Am Schalter die Überraschung: "Wieder wurde ich zur Kasse gebeten – völlig unverständlich ist das."
Die Post-Angestellte druckte eine Rechnung aus, mit der noch einmal zusätzlich 6 Euro verlangt wurden. "Importtarif" stand drauf, die Post-Mitarbeiterin erklärte der Mutter, "das sind Kosten für den Zoll." Ärgerlich für die Käuferin: "Das ist völlig absurd, der Zoll macht so viel aus, wie das ganze Produkt, das kann ja nicht sein!"
"Heute" fragte zuerst beim Finanzministerium an´, hier ist man für Zoll-Angelegenheiten zuständig. Zum konkreten Fall kann man nicht sagen, aber ganz allgemein gilt: "Für jede kommerzielle Sendung aus Drittstaaten wird Einfuhrumsatzsteuer eingehoben. Diese ist dabei so hoch, wie die Mehrwertsteuer bei einem Kauf eines gleichen Produkts in Österreich gewesen wäre." Damit sollen Wettbewerbsvorteile der Unternehmen im Ausland ausgeglichen werden, es sollte fairer für Produzenten innerhalb der EU werden.
Dennoch, 20 Prozent Mehrwertsteuer sind in diesem Fall noch lange keine 6 Euro.
Wir wenden uns an die Post. Hier erfahren wir, dass eben zusätzliche Abgaben anfallen, wenn man Produkte von außerhalb der EU bestellt, "Dazu zählen unter anderem Zollabgaben, Einfuhrumsatzsteuer sowie der Importtarif der Österreichischen Post."
Dieser Importtarif – das sind die 6 Euro – sind also zu bezahlen, damit die Post die Abwicklung des Pakets übernimmt: "Sie meldet die Sendung beim Zoll an, erfasst sowie verarbeitet die erforderlichen elektronischen Daten und führt die anfallenden Abgaben in Vorleistung ab."
Das Mini-Geschenk, das mit 6,91 Euro angeschrieben war, kommt also in Summe (inklusive Transport und 'Importtarif') auf 18,50 Euro – etwa das Dreifache des Originalwerts.