Unter Polizeischutz

Lueger-Denkmal: Um 776.000 Euro schief aufgestellt

Frühmorgens und unter Polizeischutz wurde die umstrittene Lueger-Statue wieder aufgestellt. Kritik kommt erneut von der jüdischen Hochschülerschaft.
Claus Kramsl
26.05.2026, 13:09
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Die umstrittene Lueger-Statue am Wiener Stubenring sorgt erneut für heftige Debatten. Wie berichtet, war das Denkmal des früheren Wiener Bürgermeisters und Antisemiten Karl Lueger zuletzt Ziel eines Anschlags geworden. Linksextreme waren in die Werkstatt des Steinmetzbetriebes in Traiskirchen (NÖ) eingedrungen und hatten dort die Statue beschädigt. Nun wurde sie nach der Sanierung wieder an ihrem Platz aufgestellt.

Kritik an "heimlicher" Wiederaufstellung

Am frühen Morgen des 26. Mai wurde das Denkmal unter Polizeischutz zurück an seinen Platz gebracht. "Ohne Information der Öffentlichkeit", wie die Jüdischen österreichischen HochschülerInnen (JöH) kritisieren. Besonders umstritten bleibt dabei die neue Schiefstellung der Statue um 3,5 Grad, die nach jahrelanger Diskussion und Kosten von rund 776.000 Euro umgesetzt wurde.

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JöH kritisiert "Feige Lösung"

Die JöH sprechen von einer "feigen Lösung". Co-Präsidentin Lia Guttmann kritisiert: "Nach jahrzehntelanger Debatte wurde die Lueger-Statue mit ungeheurem politischen und finanziellen Aufwand wiederaufgestellt – mit einer 3.5 Grad Neigung, die man mit freiem Auge nicht sehen kann. Die Statue war vor der Reinigung durch die Beschmierungen besser kontextualisiert als jetzt."

Auch Co-Präsidentin Milli Li Rabinovici übt scharfe Kritik an der Entscheidung der Stadt Wien: "Dass im Jahr 2026 die Statue eines Hitler-Idols und Antisemiten in Österreich abgebaut und gereinigt wurde, um sie leicht geneigt wieder aufzustellen, ist eine riesengroße Niederlage für die österreichische Erinnerungskultur."

Die jüdische Gemeinde habe stattdessen die Entfernung der Statue und eine Umbenennung des Platzes gefordert. "Die Stadt Wien hat sich dementgegen für eine feige Lösung entschieden", so Rabinovici weiter.

Bautätigkeiten noch nicht beendet

Auf "Heute"-Nachfrage reagiert man bei KÖR (Kunst im öffentlichen Raum) überrascht über den Vorwurf, man habe die Statue "heimlich" aufgestellt. "Die Kontextualisierung ist noch nicht abgeschlossen, die Bautätigkeiten sind noch nicht beendet", heißt es. Daher habe es auch keinen öffentlichen Termin gegeben. Dieser finde erst nach Abschluss aller Arbeiten statt. Einen genauen Zeitpunkt konnte man nicht nennen, denn: "Es gab viele Störungen im Projektverlauf", so eine Sprecherin. Das habe sich negativ auf den Zeitplan ausgewirkt.

Karl Lueger war von 1897 bis 1910 Wiener Bürgermeister. Seine antisemitische Politik und Rhetorik gelten bis heute als hochumstritten. Adolf Hitler bezeichnete Lueger später als politisches Vorbild.

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