Das umstrittene Denkmal des Antisemiten Karl Lueger ist auch in der Steinmetz-Werkstatt in Niederösterreich nicht sicher. Dort wird die Statue seit Jänner saniert, sie soll dann im Rahmen eines Kunstprojekts am Ring in Wien in Schieflage gebracht werden. Das Vorhaben von "Kunst im Öffentlichen Raum" ist schon lange ein Streitthema. Eine radikale Gruppierung nahm die Sache nun selbst in die Hand.
Wie nun bekannt wurde, drangen Linksextreme in die Werkstatt des Steinmetzbetriebes in Traiskirchen ein, beschädigten dort die Statue. "In der Woche vom 11. bis 17. Mai 2026 haben wir Antisemitismuskritik praktiziert; wir haben die Statue von Karl Lueger in einer Werkshalle südlich von Wien aufgespürt und angegriffen", postete die Gruppe in einem Online-Forum.
"Wir fanden es unerträglich, dass in Wien einem Antisemiten und Hitlervorbild wie Lueger gedacht wird. Auch eine 'künstlerische' Neigung ändert an diesen Zuständen nichts", so die Gruppe, die sich "Kritik im öffentlichen Raum" nennt. Man hätte die Statue "mit großer Freude" beschädigt, heißt es in dem Bekennerschreiben weiter.
Die Polizei ist den Verdächtigen auf der Spur. "Es wird ermittelt wegen des Verdachts der schweren Sachbeschädigung. Die Ermittlungen des Landesamts Staatsschutz und Extremismusbekämpfung laufen auf Hochtouren. Aus kriminaltaktischen Gründen werden derzeit keine näheren Informationen zur Beschädigung bekannt gegeben", so Manuela Weinkirn, Pressesprecherin der Polizei Niederösterreich, gegenüber "Wien heute" im ORF.
Auch die Institution "Kunst im öffentlichen Raum", die für die geplante Kontextualisierung des Denkmals zuständig ist, hielt sich bedeckt. Wie hoch der entstandene Schaden ist, steht derzeit noch nicht fest.
Trotz des neuerlichen Zwischenfalls hält "Kunst im öffentlichen Raum" am Zeitplan fest. Das Denkmal soll nach Abschluss der Restaurierung noch bis zum Sommer wieder am Dr.-Karl-Lueger-Platz aufgestellt werden – allerdings um 3,5 Grad gekippt.
Kritik kommt von der Wiener ÖVP. Diese fordert in einer Aussendung "eine vollständige Aufklärung des Vorfalls und konsequente strafrechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen". "Wer glaubt, mit extremistischer Selbstjustiz politische Zeichen setzen zu können, überschreitet eine klare Grenze", so Klubobmann Harald Zierfuß und Gemeinderätin Caroline Hungerländer.