Auf dem Dr.‑Karl‑Lueger‑Platz in der Wiener Innenstadt ist ein historischer Einschnitt erfolgt: Das Denkmal des früheren Wiener Bürgermeisters wurde Donnerstagvormittag mit einem Kran abgetragen. Seit einigen Wochen umgaben Bauzäune das umstrittene Monument beim Stubentor, nun wurde es planmäßig vom Sockel gehoben.
Die Statue soll zunächst in einer Werkstatt gereinigt werden, bevor sie im Rahmen eines künstlerischen Projekts neu präsentiert wird, meldet der ORF. In einem nächsten Schritt folgt die geplante Kontextualisierung des Denkmals – ein Prozess, der seit Jahren kontrovers diskutiert wird.
Das Denkmal war 1926 errichtet worden und immer wieder Gegenstand heftiger Debatten. Kritiker forderten Umgestaltung oder Entfernung, zudem wurde es mehrmals mit Farbe überschüttet oder besprüht. Bereits im Mai 2021 hatte Kulturstadträtin Veronica Kaup‑Hasler (SPÖ) zu einem runden Tisch geladen, um verschiedene Positionen zusammenzuführen.
Im Herbst 2022 startete ein Kunstwettbewerb zur permanenten Kontextualisierung. Aus 13 eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern ging der Entwurf "Schieflage (Karl Lueger 3,5°)" von Klemens Wihlidal als Sieger hervor. Den Grund für die geplante Kippung seines Kunstwerks erläuterte der Künstler im Jahr 2023: "Diese 3,5Grad, das ist der Punkt, wo ich zum ersten Mal Irritation spüre, und ich glaube, das ist sogar mehr, als wenn ich das 45Grad neigen würde."
Nach der Reinigung und dem künstlerischen Umbau soll das Denkmal künftig in einem neuen, kritischeren Licht stehen – ein symbolischer Schritt in Wiens Umgang mit seiner Geschichte.