Der Wiener Religionsrat hat sich am Mittwoch zum vierten Mal getroffen – und diesmal ganz im Zeichen der Solidarität und des gesellschaftlichen Miteinanders. Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften und Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) spendeten gemeinsam Blut – ein symbolisches Zeichen gegen "böses Blut".
Erstmals wurde bei dem Treffen auch eine gemeinsame Grundsatzerklärung unterzeichnet. Darin verpflichten sich die Religionsgemeinschaften klar gegen Gewalt, Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus. Ümit Vural, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreich, erklärte: "dass die Grundsatzerklärung alle Bereiche unseres Lebens sehr schön widerspiegelt, und dass wir gemeinsam uns dafür verständigt haben, unseren Beitrag zu leisten, dass insgesamt das Leben in Wien besser wird".
Bürgermeister Ludwig betonte den praktischen Nutzen solcher Initiativen: "Dass wir die Zusammenarbeit intensivieren und uns wechselseitig einladen, gemeinsame Veranstaltungen machen, Vorurteile, die es vielleicht in der Gesellschaft da und dort gegen Religionsgemeinschaften gibt, abbauen". Maßnahmen wie Bildungsarbeit gegen Vorurteile oder mehr seelsorgerische Angebote in Krankenhäusern und Gefängnissen sollen helfen, Konflikten vorzubeugen.
Der Religionsrat war nach dem Hamas-Angriff auf Israel im Oktober 2023 ins Leben gerufen worden. Neben akuten gesellschaftlichen Herausforderungen diskutieren die Mitglieder auch über Zukunftsthemen wie künstliche Intelligenz und die Rolle der Religion in der modernen Gesellschaft.
Peter Zalud, Vorsitzender des Rats der Freikirchen in Österreich, sagte: "Ich glaube, es ist etwas Gutes, wenn man einen aktiven, praktischen Beitrag fürs Gemeinwohl setzen kann". Stefan Lorger-Rauwolf von der Erzdiözese Wien ergänzte: "Wir sind halt ein Teil auch der Stadtgesellschaft und wollen auch mitgestalten."