"Es ist sowieso fast unmöglich im Grätzl einen Parkplatz zu finden", klagt Anrainerin Maria S., "aber das hier macht es noch schwieriger, es wirkt wie reine Willkür."
Die junge Mutter kann es nicht fassen. In der Viktor Christ-Gasse in Wien-Margareten gibt es ein Halteverbot, das Montag bis Samstag von 8 bis 18 Uhr gilt. "Ausgen. Ladetätigkeit mit Lastfahrzeugen und Omnibusse zum Aus- u. Einsteigen", steht auf dem Zusatzschild. Hier könnten locker vier Fahrzeuge stehen, doch die Fläche ist für das Geschäft auf der anderen Straßenseite reserviert.
Warum ärgert gerade dieses Verbot die 36-Jährige so sehr? Das Geschäft gibt es nicht mehr. Seit Corona gibt es hier kaum mehr Kunden. Der Shop war spezialisiert auf asiatische Kunden, die mit Reisebussen nach Margareten gebracht wurden, um Luxus-Produkte (teure Koffer, Parfums, Edelsteine) zu kaufen.
Doch mit Corona, den Lockdowns und Reisebeschränkungen kamen keine kauflustigen Touristen mehr in dieses sonst ruhige Wohngebiet. Der Shop hatte seitdem nur mehr sporadisch offen. Vor einigen Monaten war dann ganz Schluss. Das Lokal wurde leergeräumt, es ist zur Vermietung ausgeschrieben.
Was immer noch daran erinnert, ist die "ärgerliche" Parkzone für die Reisebusse, die zu Geschäftszeiten ganz frei bleiben muss. "Das ist doch völlig crazy", sagt Maria S.
"Heute" fragte beim Bezirksamt an, warum kann diese Zone nach so vielen Jahren nicht genutzt werden, um die Parknot zu lindern?
Im Büro des Bezirksvorstehers – es ist nur vier Gassen entfernt – kennt man das Problem. Der Mangel, der seit etwa sechs Jahren besteht, werde im Herbst behoben, heißt es. Aber: Es wird ein neues Parkverbot geben, gleich ums Eck. Grund: Die Touristen-Busse fahren den Shop zwar nicht mehr an, aber sie bringen angeblich immer noch Gäste in mehrere Lokale im Grätzl. Der neue reservierte Standplatz wird etwa 40 Meter entfernt sein, dann wird das umstrittene Parkverbot freigegeben.
Die Anrainerin Maria S. wundert sich: "Die Busse, die Restaurantbesucher bringen, kommen erstens nur äußerst selten und zweitens stehen die immer ganz woanders – also warum schafft man es in so vielen Jahren nicht diese vier Parkplätze freizugeben?"